Sparkassenversicherer planen Fusion

Gesellschaften in Stuttgart und Wiesbaden vor Zusammenschluss · Heute Spitzentreffen der Verbandschefs

Von Herbert Fromme, Köln Die Zukunft der Sparkassenversicherer in Stuttgart und Wiesbaden entscheidet sich heute. Bei einem Spitzentreffen in Frankfurt wollen Gregor Böhmer und Heinrich Haasis, die Vorsitzenden der Sparkassenverbände Hessen-Thüringen und Baden-Württemberg – die Eigner der beiden Versicherer – letzte strittige Punkte klären. Gelingt ihnen das, wollen sie die Fusion ihrer Versicherer beschließen.

Insider erwarten, dass sich die beiden Verbandschefs einigen. Dann entsteht durch den Zusammenschluss der Sparkassenversicherung Hessen-Nassau-Thüringen und der Sparkassenversicherung Baden-Württemberg die zweitgrößte Gruppe im Lager der bundesweit agierenden öffentlichen Versicherer. Sie käme auf 2,6 Mrd. Euro Prämieneinnahmen. Die größte Gesellschaft in dem Verbund, die Versicherungskammer Bayern, verbuchte im vergangenen Jahr 4,5 Mrd. Euro. Die Fusion würde erheblichen Druck auf andere Versicherer im Finanzverbund der Sparkassen ausüben, ebenfalls größere Einheiten zu bilden.

Hauptstreitpunkt bei der heutigen Tagesordnung ist das genaue Beteiligungsverhältnis der Sparkassenverbände an dem fusionierten Versicherungskonzern. „Das Verhältnis wird bei etwa zwei Dritteln Stuttgart zu einem Drittel Hessen liegen“, sagte ein Insider. Der Dissens bestehe über die genaue Höhe und liege im „niedrigen einstelligen Prozentbereich“.

Auch die Frage des Hauptsitzes des Konzerns – wahrscheinlich Stuttgart – und des künftigen Chefs wollen die beiden Verbandschefs heute klären. Einigen sie sich, wird die Fusion schnell vorangehen und wohl schon zum 1. Januar 2004 wirksam werden.

Die öffentlichen Versicherer im Sparkassen-Finanzverbund bilden zusammen nach der Allianz die zweitgrößte Assekuranzgruppe Deutschlands. Zu ihnen gehören neben den Sparkassenversicherern und der Versicherungskammer unter anderem die Provinzial-Gesellschaften in Kiel, Düsseldorf und Münster, die angeschlagene Feuersozietät Berlin und die Versicherungsgruppe Hannover.

Mit 15,0 Mrd. Euro Prämieneinnahmen kommen sie zusammen auf einen Marktanteil von 10,9 Prozent. Gemeinsam ist ihnen der Verkauf über die Sparkassen, über die sie rund 70 Prozent des Lebengeschäftes absetzen.

Allerdings arbeiten die Unternehmen – wie auch die Sparkassen – bisher weitgehend regional getrennt. Das wird zunehmend zum Problem: Den einzelnen Versicherern wachsen die Kosten für EDV, Kapitalanlagen, Umstellung der Bilanzen auf internationale Standards, Vertriebsunterstützung und vernünftige Marktforschung über den Kopf.

Deshalb wollen Stuttgart und Wiesbaden fusionieren. Sie kooperieren in der EDV schon mit der Versicherungskammer Bayern in München, die ihrerseits enge Beziehungen nach Sachsen unterhält. Ein späterer Zusammenschluss zu einem Dreier-oder Viererbund erscheint möglich. Die Bayern haben sich schon die Mehrheit an der Saarland Feuer und der Saarland Leben gesichert und sind als einzige Bieter noch an der Feuersozietät Öffentliche Leben in Berlin und Brandenburg interessiert.

Die beiden Provinzial-Versicherer in Münster und Düsseldorf haben dagegen ihre Verhandlungen 2001 erfolglos abgebrochen, weil sich die Sparkassen nicht über den Hauptsitz ihres gemeinsamen Versicherungskonzerns einigen konnten. Jetzt unternehmen beide einen neuen Anlauf und könnten von Überlegungen für eine Fusion der Sparkassenverbände in Westfalen und im Rheinland profitieren. Möglicherweise bewegen die beiden auch den Namensvetter Provinzial Kiel zu einem Zusammengehen und bilden dann einen Nordwestblock.

Quelle: Financial Times Deutschland


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