Die CDU muss den Flügelkampf noch lernen

Merkels freundliche Feinde verleihen ihr einen Preis

Von Anja Krüger, Bonn CDU-Chefin Angela Merkel kommt guter Laune zur Tagung der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) in den alten Bonner Bundestag. In der innerparteilichen Auseinandersetzung um die Vorschläge der Herzog-Kommission ist die CDA zwar ihr größter Gegenspieler – für den Arbeitnehmerflügel der CDU sind die Vorschläge Verrat am Sozialstaat. Doch schon bei den ersten Regionalkonferenzen der Partei ist die Gruppierung in die Defensive geraten.

Auch am Freitagabend wird es bitter für den CDA-Vorsitzenden Hermann-Josef Arentz. Er muss ausgerechnet der Herzog-Befürworterin Merkel den Zukunftspreis seiner Organisation verleihen. Die Entscheidung für die Preisträgerin fällte die CDA vor einem Jahr. Als die CDU-Chefin die Lobby des alten Bundestags betritt, ist Arentz deshalb alles andere als entspannt. Gequält lächelnd steht er neben ihr. Immer wieder fährt seine Zungenspitze über die Unterlippe. Zur Beruhigung trinkt er mit Merkel vor der Preisverleihung dann noch ein Bier.

Ob es das letzte gemeinsame Bier sei, will jemand wissen. „Nur wenn wir in Zukunft nur noch Wein trinken“, ruft Arentz. „Hejo“, wie die Parteifreunde ihn nennen, versucht die Kluft zwischen dem Arbeitnehmerflügel und Merkel tapfer zu ignorieren. „Hätten wir gestern über die Preisvergabe zu entscheiden gehabt, hätten wir wieder so entschieden“, erklärt er. Kein kritisches Wort zu den Herzog-Plänen. Stattdessen Liebedienerei: „Es ist ein Ausweis deiner Souveränität, dass du die Diskussion förderst und nicht unterdrückst.“

Doch Artigkeiten beeindrucken Merkel nicht. Parteifreunde dürften einander in der jetzigen Diskussion keine bösen Absichten unterstellen, mahnt sie. „Hejo, ich habe es als gezielte Provokation empfunden, dass du gesagt hast, ich hätte ein fragwürdiges Verständnis von Gerechtigkeit.“ Arentz schaut verlegen und signalisiert seiner Parteichefin mit rudernden Armen: So war das nicht gemeint.

Kritische Töne hört Merkel an diesem Abend nur am Stand des DGB in der Lobby. „Ich hoffe, dass die Herzog-Pläne nicht durchkommen“, sagt ihr die stellvertretende Landeschefin des DGB NRW und CDA-Frau Brigitte Grosse. „Das glaube ich“, antwortet Merkel freundlich: „Was wir vorschlagen, ist eine Revolution.“

Zitat:

„Wir würden uns wieder so entscheiden“ – Hermann-Josef Arentz.

Quelle: Financial Times Deutschland


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