Marktführer beschwören die Preisstabilität

Münchener Rück und Swiss Re glauben nicht an baldigen Ratenverfall · Makler entdecken Bereitschaft zu Preisnachlässen

Von Herbert Fromme Sinken die Preise für Rückversicherungsdeckungen schon wieder? Können Industrie-oder Bauunternehmen mit ihren Großrisiken aufatmen? Müssen Erstversicherer künftig weniger für ihre Schutzdeckungen zahlen, oder bleibt der seit drei Jahren steil nach oben zeigende Trend ungebrochen? Endgültig werden die Marktparteien das erst am Jahresende wissen – wenn die jährlich neu abgeschlossenen Verträge zwischen den Erst-und Rückversicherern ebenso wie die großen Industriepolicen unter Dach und Fach sind. Indikatoren wird das Rückversicherungstreffen in dieser Woche in Baden-Baden liefern, bei dem Erst-und Rückversicherer konkret über die Preise und Bedingungen für 2004 verhandeln.

Im Vorfeld machten die großen Rückversicherer deutlich, dass sie keinen Anlass für Preisnachlässe sehen. Die Wunden, die der 11. September 2001 mit dem Terrorschaden am World Trade Center in die Kapitalbasis der Assekuranz geschlagen hat, sind ebenso wenig verheilt wie die Konsequenzen des Aktiencrashs. „Da gibt es immer noch viel Druck“, sagte Nikolaus von Bomhard, Vorstandsmitglied der Münchener Rück und ab 1. Januar 2004 ihr Vorstandsvorsitzender. „Im Schaden-und Unfallgeschäft wird es insgesamt seitwärts gehen“, sagte von Bomhard der FTD. „In einigen Bereichen werden die Preise leicht anziehen, in anderen gehen sie runter. Belgien ist zum Beispiel im Katastrophenbereich zu billig, auch in Deutschland kann es noch etwas anziehen.“

Bei den Katastrophenschutzdeckungen, die nach dem 11. September dramatisch teurer wurden, habe es inzwischen Preissenkungen gegeben. „Aber das Niveau ist immer noch sehr hoch.“In der Haftpflichtversicherung beobachte die Branche mit Sorge den Trend, Haftungen aus dem öffentlichen in den privaten Bereich herüberzuschieben. „Diesen Trend sehen wir in zahlreichen Ländern.“ Immer öfter würden Privatunternehmen zur Haftung für Schäden herangezogen, die bisher von den Sozialsystemen abgedeckt wurden. „Das schlägt sich in deutlich höheren Haftpflichtrisiken nieder.“ Das müsse sich in den Preisen spiegeln.

Natürlich seien die Kunden der Rückversicherer, die Erstversicherer, nicht immer zufrieden mit dem Preisniveau. „Gerade die mittelgroßen Versicherer benchmarken das natürlich gegen die Vergangenheit, als alles viel billiger war“, sagte er. „Das können sie natürlich machen. Aber diese Betrachtung hat überhaupt nichts mit dem tatsächlichen Risiko zu tun.“ Der Erstversicherer müsse sich selbst fragen, was ihn eine bestimmte Deckung im Eigenkapital kostet. „Wenn jemand normale Kapitalkosten hat, ist das heutige Angebot der Rückversicherer attraktiv“, so von Bomhard.

John Coomber, Chef des Marktzweiten Swiss Re, argumentiert ähnlich. „Die niedrigen Zinsen und die stark geschwächte Eigenkapitalbasis der Branche bestimmen das Bild“, sagte er. Beides spreche dafür, dass Versicherer und Rückversicherer risikogerechte Preise verlangten. „Gleichzeitig ändert sich das Verhalten der Versicherungsaufsicht. Sicherheit ist heute viel wichtiger.“

Coomber glaubt, dass der „harte Markt“ mit seinen hohen Preisen noch mindestens in 2004 anhalten wird. Die Branche ist bekannt für ihre starke Preisvolatilität – diesen Zyklus von Hoch-und Niedrigpreisphasen würde Coomber gerne unterbrochen sehen. „Ich habe ungern einen Anstieg von 20 Prozent, der dann von einem Fall um 30 Prozent abgelöst wird“, sagte er.

Rückversicherungs-Einkäufer sehen die Marktlage anders als die Marktführer. Das spiegelt sich in einer Umfrage bei Marktteilnehmern, die das Maklerunternehmen Aon Re durchgeführt hat. Einig seien sich alle Beteiligten, dass die Raten für Haftpflichtdeckungen mit langfristiger Wirkung weiter steigen werden. „Sowohl Anbieter als auch Käufer glauben dagegen, dass die Preise für kurzfristige Schadendeckungen fallen werden“, sagte Aon-Re-Chef Ross McKenzie. Das betrifft beispielsweise Katastrophenschutzprogramme gegen Stürme. „Gleichzeitig betonen die Anbieter, dass sie diese Preissenkungen nicht mitmachen wollen. Die Frage ist, ob ihnen etwas anderes übrig bleibt.“ Es gebe bereits wieder Anbieter, die durchaus zu größeren Preiszugeständnissen bereit seien, um Geschäft nicht zu verlieren oder neues zu gewinnen.

Nach Ansicht McKenzies ist die Marktlage extrem angespannt. „In letzter Instanz heißt das ganz einfach: Wer zuerst zuckt, verliert.“

Zitat:

„Das Angebot der Rückversicherer ist attraktiv“ – Nikolaus von Bomhard.

Quelle: Financial Times Deutschland


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