Versicherungsgruppe Inter besänftigt Aufsicht mit Notplan

Assekuranz fürchtet zweiten Fall für Protektor

Von Herbert Fromme, Köln Die angeschlagene Inter-Versicherungsgruppe in Mannheim hat einen „abgestuften Plan“ zur Lösung ihrer Finanzprobleme mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) abgestimmt. „Wir wollen die stillen Lasten unseres Lebensversicherers bis Jahresende vollständig abbauen“, sagte Vorstandschef Bernd Jansen der FTD.

Die Inter Leben leidet heftig unter Verlusten aus Aktien. Im vergangenen Jahr hatte sie 50 Mio. Euro auf Aktien abgeschrieben und weitere Wertberichtigungen über 117 Mio. Euro verschoben. Dadurch wurden so genannte stille Lasten gebildet.

„Wir haben die stillen Lasten heute schon auf 106 Mio. Euro abgebaut“, sagte Jansen zuversichtlich. Angesichts der Prämieneinnahmen über gerade einmal 126 Mio. Euro und des sehr knappen Eigenkapitals von 10 Mio. Euro gilt dies als hohe Belastung.

Unter Versicherungsmanagern wächst angesichts der Finanzlage die Sorge über die Inter. „Über die Gesellschaft wird bei Fachtagungen noch nicht mal mehr hinter vorgehaltener Hand getuschelt“, sagte ein Branchenkenner aus Baden-Württemberg. Möglicherweise müsse die von der Assekuranz gegründete Auffanggesellschaft Protektor schon bald erneut tätig werden.

„Das wäre sehr praktisch“, sagte er mit Galgenhumor. Die Inter-Zentrale liegt nicht weit vom Büro des Versicherungskonzerns Mannheimer entfernt. Dort übernimmt Protektor gerade die Verträge der in Schieflage geratenen Mannheimer Leben.

Die Inter werde stille Reserven in großem Umfang mobilisieren, sagte Jansen: „Dazu gehören etwa festverzinsliche Anlagen, Grundstücke und Beteiligungen.“ Auch Transaktionen innerhalb der Gruppe könnten helfen. Zu ihr gehört etwa auch die deutlich größere Inter Kranken. Einzelheiten wollte er nicht nennen.

Offenbar will Jansen Töchter und Immobilien im Konzern umhängen und dabei die Differenz zwischen ihrem Marktwert und dem bisherigen Buchwert bilanziell nutzen. Frisches Geld kommt so nicht in die Kasse des Konzerns auf Gegenseitigkeit.

Quelle: Financial Times Deutschland


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