MLP-Abspaltung Loyas wirbt unzufriedene Vertreter ab

Neuer Finanzvertrieb will Umsatz 2004 vervierfachen

Von Herbert Fromme, Köln Der Hamburger Finanzvertrieb Loyas will seinen Umsatz im Jahr 2004 fast vervierfachen. Vorstand Akos Benkö erwartet außerdem, dass die Gesellschaft die Zahl der Vertreter von heute 60 auf 120 verdoppelt. Loyas verzeichnete 2003, dem ersten Jahr der Geschäftstätigkeit, Provisionseinnahmen von 1,45 Mio. Euro. „2004 werden es mehr als 5 Mio. Euro sein“, sagte Benkö der FTD.

Ende 2002 hatten er und Mitvorstand Jochen Sturtzkopf mit Hilfe privater Geldgeber das Unternehmen gegründet. Beide waren vorher MLP-Geschäftsstellenleiter, Benkö hatte 18 Jahre für den Heidelberger Vertrieb gearbeitet. Rund 80 Prozent der Loyas-Vertreter kommen vom großen Konkurrenten. Mit Rüdiger Ullrich, MLP-Geschäftsstellenleiter in Berlin und Aufsichtsratsmitglied der MLP Bank, sei ein weiterer prominenter MLP-Manager zu Loyas gewechselt, sagte Vorstand Benkö.

Das Unternehmen gehört zur Zeit Benkö, Sturtzkopf und den Geldgebern. Die Mitarbeiter sollen in den nächsten Jahren beteiligt werden. Einen Börsengang kann sich Benkö frühestens in sechs Jahren vorstellen.

Respektabilität verschafft sich das neue Unternehmen auch durch die Person des Aufsichtsratsvorsitzenden. Es handelt sich um Stephan Schüller, der bis September 2003 Chef der Vereins- und Westbank war und nach einem Streit mit der Muttergesellschaft HypoVereinsbank über die Integration der Hamburger Tochter in den Konzern ausgeschieden war.

Finanzvertriebe wie MLP oder AWD rechnen mit Fluktuationsraten von rund 10 Prozent der Vertreter pro Jahr. MLP musste 2003 nach Marktinformationen mehr als 20 Prozent Fluktuation hinnehmen – eine Folge der Krise des Unternehmens. MLP sah sich mit Vorwürfen über eine unsaubere Bilanzierung konfrontiert. Sie wurden zwar nicht bestätigt, führten aber zu einer Änderung der Praxis, künftige Erträge auf dem Weg der Rückversicherung schon früh zu buchen.

Der drastische Fall der Aktie bescherte außerdem vielen Vertretern hohe Schulden, weil sie auf Kredit Aktien des eigenen Unternehmens zu Höchstkursen gekauft hatten. Der langjährige Firmenchef Bernhard Termühlen musste nach einem Zerwürfnis mit Gründer Manfred Lautenschläger MLP Ende 2003 verlassen. Enttäuschte MLP-Vertreter suchen Alternativen und höhere Verdienste bei Neugründungen wie Loyas, das nicht die einzige Abspaltung ist.

Bisher hat das neue Unternehmen mit 38 Lebensversicherern Verträge, sagte Benkö, dazu kommen Kranken- und Sachversicherer sowie Fondsgesellschaften. Loyas könne bei den Unternehmen nicht so hohe Provisionen durchsetzen wie MLP mit seiner Marktmarkt, sagte Benkö. Die Vertreter sollen dagegen über ein neues Vergütungssystem höhere Einkommen als bei MLP erzielen, verspricht er.

Quelle: Financial Times Deutschland


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