Swiss Life braucht Geld für Gotthard-Bank

Schweizer Lebensversicherer muss nach gescheitertem Verkauf der Tochter Kapital aufnehmen · Aktie stürzt um rund zehn Prozent ab

Von Herbert Fromme, Köln, und Robert Orr, London Mit einem neuerlichen und wohl unfreiwilligen Strategiewechsel und hohem Bedarf nach frischem Kapital hat der größte Schweizer Lebensversicherer Swiss Life gestern die Anleger verärgert. Die Aktie des Unternehmens verlor 22 Franken oder 9,9 Prozent auf 188 Schweizer Franken.

Unternehmenschef Ralf Dörig erklärte, dass der Konzern die Banca del Gottardo (Gotthard-Bank) behalten wird. Die Bank wird aber von der Holding vom Sicherungsfonds des konzerneigenen Lebensversicherers übernommen. Effektiv heißt das, dass die Aktionäre die Bank den Lebensversicherungskunden abkaufen. Dafür benötigt die Holding 1,34 Mrd. Schweizer Franken. Davon sollen 800 Mio. Franken aus einer Kapitalerhöhung kommen, 350 Mio. Franken aus einer Wandelanleihe und 250 Mio. Franken aus vorhandenen Mitteln der Holding. Weitere 450 Mio. Franken Fremdkapital will die Swiss Life zur Refinanzierung von Verbindlichkeiten aufnehmen.

Zwei Jahre lang hatte das Unternehmen vergeblich versucht, einen Käufer für die Bank zu finden. Zuletzt waren im Februar die weit gediehenen Gespräche mit der italienischen Unicredito-Gruppe gescheitert. Dörig wollte 1,5 Mrd. Franken erlösen, Unicredito war zu diesem Preis nicht zum Kauf bereit.

Der Versicherer hatte die Bank vor fünf Jahren für 2,4 Mrd. Franken erworben. Swiss Life wollte mit dem Verkauf eigentlich den teuren Ausflug in das Bankgeschäft beenden, der Teil einer allgemeinen Überexpansion war. Die daraus folgende Krise brachte das Unternehmen vor zwei Jahren nahe an den Abgrund.

2002 machte Swiss Life 1,69 Mrd. Franken Verlust, vor allem wegen der hohen Abschreibungen auf übernommene Gesellschaften wie die Gotthard-Bank erzielte diese allerdings 2003 wieder 85 Mio. Franken Gewinn.

Die Strategie Dörigs, sich künftig auf das traditionelle Geschäft mit Lebensversicherungen zu konzentrieren, hat damit einen empfindlichen Rückschlag erlitten. „Die Bank wird ein wichtiger Teil der Swiss Life bleiben“, sagte er gestern. Analysten waren nicht zufrieden. „Die Swiss Life hätte die Bank an die Börse bringen oder den niedrigeren Preis akzeptieren können“, sagte Heinrich Weimar von Sal. Oppenheim in Zürich. Auch eine Separierung der Bank und die Ausgabe von Aktien an die Swiss-Life-Aktionäre, ein so genannter Spin-off, wären eine gute Idee gewesen.

Dörig sagte, im Versicherungsgeschäft habe das Unternehmen 2003 gute Fortschritte gemacht, vor allem bei der Kostensenkung. Insgesamt hat der Konzern in zwei Jahren 1800 Stellen abgebaut und liegt damit über Plan. Im Neugeschäft achtet der Konzern jetzt sehr stark auf die Marge.

Die Nettoprämieneinnahmen der Gruppe sanken von 15,3 auf 14,8 Mrd. Franken, teilweise auch wegen des Verkaufs kleinerer Tochterunternehmen. Künftig will Dörig ein Prozent stärker als der Markt wachsen.

Das operative Ergebnis verbesserte sich kräftig auf 557 Mio. Franken Gewinn. Im Vorjahr musste der Konzern noch einen Verlust von 801 Mio. Franken zeigen.

Für 2004 soll es auch wieder eine Dividende geben. Aktionäre sollen 25 bis 30 Prozent des Nettogewinns erhalten. Für 2003 war die Ausschüttung wegen der Probleme um die Bank ausgefallen.

Zitat:

„Die Bank wird ein wichtiger Teil der Swiss Life bleiben“ – Swiss-Life-Chef Dörig

Quelle: Financial Times Deutschland


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