Geld für neue Schiffe stammt oft vom Main

Ipex und DVB Bank sind Spezialisten für Schiffsfinanzierung – mit Sitz in Frankfurt

Von Katrin Berkenkopf Frankfurt hat einen Fluss und einen Hafen, ansonsten aber ist die Stadt nicht gerade als Schifffahrtsmetropole bekannt. Dabei haben hier zwei Banken ihren Sitz, die international für ihr Engagement bei Schiffsfinanzierungen bekannt sind: der Ableger der Kreditanstalt für Wiederaufbau Ipex und die DVB Bank, Spezialist für Finanzierungen in der Transportbranche.

Traditionell unterstützt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) vor allem deutsche Werften und Reeder. Den Schiffbauern hilft sie, indem sie ausländischen Kunden Schiffshypotheken zur Verfügung stellt, damit die ihre Aufträge in Deutschland platzieren können. So hat beispielsweise Indonesien Fähren bei der Papenburger Meyer Werft bauen lassen.

Das Geschäft mit der Export- und Projektfinanzierung hat die KfW im vergangenen Jahr in die neue Tochter Ipex ausgelagert, die ab 2008 rechtlich selbstständig und voll steuerpflichtig sein wird. Damit folgte die Bank einer Verpflichtung der EU-Kommission für Förderbanken, das marktnahe Geschäft in eigenständige Institute auszugliedern.

Ipex ist mit einem Portfolio von 10,1 Mrd.Euro eine der größten Schiffsbanken der Welt und die zweitgrößte in Deutschland. Rund 10 bis 15 Prozent der Summe entfallen auf so genannte Unterstützungsprojekte, bei denen die Kreditnehmer Zinsen unterhalb des Marktniveaus zahlen. Finanziert die Bankengruppe direkt Schiffe in Form von Entwicklungshilfeprojekten, so erscheinen diese in den Büchern der Mutter KfW.

Bei der Ipex haben Kreuzfahrtschiffe mit 20 Prozent einen recht hohen Anteil am gesamten Kreditvolumen. Noch immer beschäftigten die Bank die Nachwehen der großen Krise der Tourismusbranche nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001, von der sich die Kreuzfahrtanbieter gerade erholen.

Zwei Schiffe des griechischen Veranstalters Royal Olympic, die in den USA zwangsversteigert wurden, kaufte die Bank als Hauptgläubiger selbst. Jetzt hofft sie, bald einen Käufer zu finden, der einen höheren Preis zahlt, damit ein möglichst großer Teil der Bankschulden wieder hereinkommt. Allein der KfW soll Royal Olympic für die Schiffe fast 100 Mio. Euro schulden.

Obwohl die Refinanzierung für Ipex künftig teurer sein wird, müssen die Kunden in der maritimen Industrie nicht mit höheren Kosten rechnen. „Wir haben bei der Schiffsfinanzierung schon immer zu Marktkonditionen gearbeitet“, sagt Christian Murach, Mitglied der Geschäftsleitung. Der zusätzliche Aufwand gehe allein zu Lasten der künftigen Marge.

Brüssel will auch, dass Ipex seinen Fokus auf die deutsche Kundschaft aufgibt und das Geschäft in Europa ausbaut. „Das ist einer der Punkte, auf die wir uns mit der EU-Kommission geeinigt haben“, sagt Murach.

Beim Frankfurter Nachbarn DVB Bank dagegen sind die deutschen Reeder klar in der Minderheit: Weniger als fünf Prozent der Kunden aus der Schifffahrt sind deutsche Unternehmen, sagt Vorstandsmitglied Dagfinn Lunde. Seit der neuen Ausrichtung als Spezialist für Transportfinanzierungen im Jahr 1997 hat sich die DVB Bank auf internationale Unternehmen fokussiert. So ist sie in Norwegen mittlerweile zur Nummer drei bei Schiffsfinanzierungen geworden und steht auch in den USA unter den ersten vier.

Im Vergleich zur Ipex ist das Schiffskredit-Portfolio der DVB Bank bescheiden: Ende 2003 waren es rund 3,9 Mrd. Euro. Das war trotz boomender Schifffahrtsmärkte sogar weniger als im Jahr zuvor, was aber einzig am Wechselkurs zwischen Euro und Dollar liegt.

Schiffsfinanzierungen machen damit mehr als die Hälfte des gesamten Kreditportfolios der DVB Bank aus. Wegen der Risikostreuung soll der Anteil in den nächsten Jahren auf 40 Prozent sinken, dafür sollen vor allem Flugzeugfinanzierungen an Gewicht zulegen.

Vorstandschef Wolfgang Driese macht keinen Hehl daraus, dass er sich neben der Notierung an der Frankfurter Börse eine zweite, internationale Notierung wünscht. Und dazu einen neuen starken Partner, der die Eigenkapitalbasis verbreitert, um dann auch das Geschäft ausweiten zu können. Derzeit besitzt die Frankfurter DZ Bank mehr als 92 Prozent der Anteile an der DVB Bank. Die DZ Bank gehört zum genossenschaftlichen Lager.

In zwei bis drei Jahren könnte es soweit sein, hofft Driese. „Aber zuerst müssen wir mal eine Equity-Story schreiben, die uns für Investoren interessant macht.“ Für diese Unternehmensgeschichte, die im Zuge eines Börsengangs veröffentlicht wird, plant die Bank unter anderem den Aufbau neuer Geschäftsfelder.

Die letzten sieben Jahre seit dem Beginn des Umbaus zur Spezialbank und dem Verkauf sämtlicher anderer Aktivitäten waren magere sieben, sagt Driese. „Die nächsten sieben Jahre werden hoffentlich die fetten.“

Einige Zahlen sprechen dafür, dass er Recht behält. Der Anteil der Kosten an den Einnahmen (Cost-Income-Ratio) stand bei seinem Amtsantritt noch bei rund 90 Prozent. Bis 2006 soll sie unter 50 Prozent gefallen sein, derzeit sind es gut 60 Prozent. Die Rendite aufs Eigenkapital soll bis dahin 20 Prozent erreicht haben. Im letzten Jahr waren es rund 16 Prozent.

Gemeinsam können die beiden Frankfurter Spezialisten es in der Größe fast mit der Nummer eins im deutschen und internationalen Schiffsfinanzierungsgeschäft aufnehmen, der HSH Nordbank in Hamburg. Das Portfolio des Instituts, das 2003 aus der Fusion der Landesbanken in Kiel und Hamburg entstand, hat einen Wert von rund 17 Mrd. Euro.

Die HSH Nordbank ist stark im Geschäft mit Hypotheken für Schiffsfonds, bei denen deutsche Privatanleger das Eigenkapital für neue Schiffe aufbringen. Sowohl Ipex wie auch die DVB Bank halten sich hierbei zurück. Andreas Uibeleisen, Chef der Schiffsfinanzierungsabteilung der KfW Ipex, hält den Markt derzeit für teilweise überhitzt. „Nicht alle Projekte verfügen über eine langfristige Beschäftigung für die Schiffe und den entsprechenden Cashflow.“

Zitat:

„Die nächsten sieben Jahre werden hoffentlich die fetten“ – Wolfgang Driese, Chef der DVB Bank

Bild(er):

Werbetafel der KfW Bankengruppe: Der neue Frankfurter Ableger, KfW Ipex, ist die Nummer zwei im deutschen Schiffsfinanzierungsgeschäft – Rolf Braun

Quelle: Financial Times Deutschland


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