Gerling bleibt auf Rückversicherer sitzen

US-Aufseher lassen sich mit Verkaufsprüfung Zeit · Rückschlag für Konzernchef Jansli

Von Herbert Fromme, Köln Die New Yorker Versicherungsaufsicht wird nach Angaben aus US-Versicherungskreisen den im Dezember 2002 verkündeten Verkauf der Gerling Globale Rück – jetzt Globale Rück – an ihren Vorstandschef Achim Kann in absehbarer Zeit nicht genehmigen. Damit bleibt die angeschlagene Globale Rück im Eigentum der Gerling-Holding Gerling-Konzern Beteiligungsgesellschaft (GKB). „Die Versicherungsaufsicht lässt sich bei der Prüfung sehr viel Zeit“, hieß es in Versicherungskreisen. „Der Insurance Commissioner ist ein politisches Amt. Im nächsten Jahr wird er neu gewählt.“ Da sei es unwahrscheinlich, dass sich jemand damit jetzt die Finger verbrenne.

Ein Gerling-Sprecher wollte zum Verhalten der US-Aufsicht nicht Stellung nehmen. Er bestätigte, dass der Verkauf an Achim Kann bisher nicht vollzogen wurde. Bilanziell habe die Holding aber keine Probleme mit der Globalen Rück, sagte er. „Die Gesellschaft wurde dekonsolidiert.“ Die Risiken für den Gerling-Konzern aus der früheren Tochtergesellschaft seien überschaubar.

Der Gerling-Konzern, der morgen sein 100-jähriges Jubiläum feiert, geriet 2002 vor allem wegen der Probleme des Rückversicherers in eine schwere Krise. Die Gerling Globale Rück, die Nummer sechs in der Welt, ging mit dem Hauptgeschäft Schaden- und Unfallrückversicherung in die Abwicklung, der Verkauf an Achim Kann sollte den Rückversicherer aus der angespannten Bilanz der GKB entfernen. Die Finanzaufsicht BaFin untersagte den Deal, Gerling konnte sich dagegen vor Gericht durchsetzen. Gegen die US-Aufseher will der Konzern offenbar nicht gerichtlich vorgehen.

Der fortdauernde Verbleib der Globale Rück ist ein Rückschlag für Konzernchef Björn Jansli bei seinem Versuch, die Krise des Konzerns zu überwinden. Die Konzernführung ist aber der Ansicht, dass Gerling angesichts der großen Fortschritte der letzten Monate trotz des ungelösten Globale-Problems überleben wird.

Die operativen Gerling-Gesellschaften GKA und Gerling-Konzern Leben (GKL) haben für das vergangene Jahr ordentliche Zahlen vorgelegt. Aber vor allem der Industrieversicherer leidet unter der schlechten Beurteilung durch die Rating-Agentur Standard & Poor’s. Mit dem „BBB“ hat es die GKA vor allem im internationalen Geschäft extrem schwer. Gerling drängt auf eine Verbesserung der Beurteilung. „Mit unserer gegenwärtigen Kapitalausstattung wären wir eigentlich im AA-Bereich“, sagte ein Top-Manager. Offenbar müsse sich Gerling nach der Krise besonders bewähren.

Jansli und seine Kollegen wissen aber genau, dass sie mittelfristig zusätzliches Kapital benötigen. Mehrheitseigner Rolf Gerling, der 94 Prozent hält, ist dazu ebenso wenig in der Lage wie Minderheitsaktionär und Aufsichtsratschef Joachim Theye.

Kurzfristig will die GKA über eine Anleihe frisches Geld als so genanntes Hybridkapital besorgen. Von 150 Mio. Euro ist die Rede. Mittelfristig ist ein Verkauf oder ein Börsengang der Zwischenholding Gerling-Beteiligungsgesellschaft (GB) wahrscheinlich, die der Holding GKB gehört und über die GKA und GKL kontrolliert werden. Das wahrscheinliche Szenario: Den jetzigen Minderheitsaktionären der GKA, das sind vor allem Gerling-Kunden, werden Aktien der GB angeboten. Die GB wird an die Börse gebracht, möglicherweise ändert sie ihren Namen in den der jetzigen Holding GKB. Die alte Holding würde dann aufgelöst.

„Gerling hat wegen der großen Unterstützung der Kunden bisher überlebt“, sagte ein Konkurrent. „Aber überstanden ist die Krise noch nicht.“ 2003 sei ein Jahr mit einer milden Schadenentwicklung und hohen Preisen gewesen. Das bleibe nicht immer so. „Ob Gerling wirklich wetterfest ist, wird sich dann zeigen.“

Zitat:

„Die Globale Rück wurde dekonsolidiert“ – Leitender Manager des Gerling-Konzerns

Quelle: Financial Times Deutschland


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