LBBW torpediert neuen Finanzverbund

Stuttgarter verweigern Teilnahme an Kooperationsgesprächen mit anderen Landesbanken · Auch Sparkassen zweifeln

Von Claudia Wanner, Patrick Jenkins, Wolfram Trost, Frankfurt, und Herbert Fromme, Köln Die Kooperationsinitiative der Landesbanken wird schon vor ihrem Start aus dem eigenen Lager torpediert. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), das erfolgreichste der elf öffentlich-rechtlichen Institute, wird an den Sitzungen der vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) initiierten Arbeitsgruppen nicht teilnehmen. „Wir haben kein Interesse, unser Geschäft mit unseren Wettbewerbern zu teilen. Überhaupt ist diese Initiative kaum mehr als Augenwischerei“, sagte LBBW-Vize Siegfried Jaschinski der Financial Times. Auch die Sparkassen haben Vorbehalte.

Heute fällt der Startschuss für die Kooperation. Unter Federführung der WestLB tagt erstmals die „Arbeitsgruppe Ertragssteigerung“. Hoffnungen auf rasche Ergebnisse werden selbst im Umfeld der Teilnehmer gedämpft. Es gehe zunächst darum auszuloten, wo Kooperationen möglich seien. Grundsätzlich ist daran gedacht, einzelne Aufgaben – etwa Teile des Investmentbanking oder des Auslandsgeschäfts – bei bestimmten Landesbanken zu bündeln.

Die Landesbanken stehen unter Druck: Die staatlichen Garantien, die ihnen ein erstklassiges Rating und eine günstige Refinanzierung sichern, fallen 2005 weg. Jetzt sind die Institute dabei, Geschäftsmodelle zu erarbeiten, mit denen sie die Ratingagenturen auch künftig überzeugen können.

Gleichzeitig haben die Banken die Ambitionen, sich als „Champion“ für Finanzierungsfragen aufzustellen. „Wenn die deutsche Volkswirtschaft und die Sparkassen-Finanzgruppe einem Champion aus dem deutschen Markt heraus brauchen, dann stellen wir ihn selbst auf die Beine“, sagte DSGV-Präsident jüngst Dietrich Hoppenstedt. Bundeskanzler Gerhard Schröder fordert die deutschen Banken zur raschen Konsolidierung auf, um sicher zu stellen, dass es in Deutschland dauerhaft ein global ernst zu nehmendes Institut gibt.

Die Basis betrachtet die Vorstöße skeptisch. „Die Sparkassen stehen im Zentrum des Geschehens, die Landesbanken sind Zulieferer“, sagte Gregor Böhmer, Geschäftsführender Präsident des Sparkassenverbandes Hessen-Thüringen. Die Diskussion über die Landesbanken verkenne, dass sie nur eine Spezialfunktion für die Sparkassen hätten – die des Zulieferers. Das gelte auch für Produktanbieter wie die Versicherer oder die Fondsgesellschaft Deka. Der Blick auf die Größenverhältnisse zeige das: Von 34 000 Mitarbeitern im Sparkassensektor in Hessen und Thüringen seien 28 000 in Sparkassen beschäftigt.

Kooperationen im Sparkassenlager sind in der Vergangenheit an den komplexen Strukturen und den Eitelkeiten der Beteiligten gescheitert. So hatte die Deka im Herbst mit dem DSGV den Landesbanken angeboten, das dort direkt betriebene, relativ kleine Asset Management bei sich zu bündeln. „Asset Management bleibt unser Kerngeschäft“, konterten die betroffenen Instituten – obwohl der Sinn einer Bündelung selbst in der Sparkassenorganisation unbestritten ist. „Ich kann mir die Grabenkämpfe wegen der Bündelung von Aufgaben bei einzelnen Instituten schon lebhaft vorstellen“, sagte ein Banker

Hoppenstedts Anspruch, auch dank der Kooperation im Investmentbanking eine größere Rolle zu spielen, bereitet in der Branche niemandem Sorge. „Wenn die Landesbanken wirklich glauben, sie könnten das Investmentbanking so wie die großen internationalen Anbieter, dann willkommen im Traumland“, sagte ein Banker eines US-Instituts. Die Landesbanken wollen laut Hoppenstedt künftig bei großen Fusionen und Börsengängen eine größere Rolle spielen und bei Anleiheemissionen in die Spitzengruppe vorrücken. Hier sind die Institute aber kaum präsent – mangels Kontakt zu institutionellen Anlegern und großen Kunden.

Bei der Begebung von Firmenanleihen sind die Landesbanken fast bedeutungslos. „Nur WestLB, BayernLB und LBBW tauchen bei größeren Transaktionen auf“, sagte ein Banker aus der Syndikatsabteilung einer Investmentbank. Stark sind die Landesbanken dagegen in der Mittelstandsfinanzierung und der Finanzierung der öffentlichen Hand.

Auch der Aufbau von Expertise hakt. „Es ist schwierig, den Talentpool im Haus zu halten“, sagte der Frankfurter Personalberater Claes Smith-Solbakken, der auf Vermittlungen im Investmentbanking spezialisiert ist. Bei Instituten, denen ein schlechtes Rating drohe, würden Rivalen kräftig abwerben. Doch es gebe Ausnahmen. Institute mit klarer Strategie und Nischenblick – wie HSH Nordbank und LBBW – seien attraktive Arbeitgeber.

www.ftd.de/landesbanken

Zitat:

„Wir haben kein Interesse, unser Geschäft mit Wettbewerbern zu teilen“ – Siegfried Jaschinski, Vizechef LBBW

Weiterer Bericht Seite 20

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv, RTF Import