Lockerbie-Versicherer und libysche Regierung fast einig

Tripolis erstattet Schaden nach Terroranschlag

Von Nicola de Paoli, Düsseldorf, und Herbert Fromme, Köln International tätige Luftfahrtversicherer stehen nach Informationen der FTD kurz vor einer Einigung mit der libyschen Regierung über die Erstattung von Schadenzahlungen nach dem Lockerbie-Absturz. Von dem Deal könnte auch die seit 1991 insolvente Fluggesellschaft Pan Am profitieren.

Im Dezember 1988 war ein Pan-Am-Jumbo nach einem Bombenanschlag abgestürzt, 270 Menschen starben.

Anwalt Anthony Hobkinson von der Anwaltskanzlei CMS Cameron McKenna sagte der FTD, es sei eine „günstige Übereinkunft“ („a favourable accomodation“) zwischen den Versicherern und Libyen gefunden worden. Als Folge zogen die Versicherer den Antrag auf eine Schnellentscheidung eines schottischen Gerichts über ihre Zivilklage zurück, bestätigte er. An der seit 1994 laufenden Klage halten sie bislang fest.

Die Versicherer verklagen in Edinburgh den libyschen Staat, die Libyan Arab Airlines sowie zwei Einzelpersonen. Dabei handelt es sich um den wegen Mordes an 270 Pan-Am-Passagieren verurteilten Abdelbaset al Megrahi, der im Barlinnie-Gefängnis in Glasgow seine lebenslange Strafe absitzt, sowie Al Amin Khalifa Fhimah. Er war mit Al Megrahi angeklagt, wurde aber freigesprochen.

Die Versicherer verlangen 32 Mio. $ plus Zinsen von den Beklagten. Die Insolvenzverwalter der Pan Am haben sich an die Klage angehängt und wollen 343 Mio. $ plus Zinsen erstreiten. Zu den Versicherern gehören Lloyd’s-Syndikate sowie internationale Konzerne. Auch die Münchener Rück und andere deutsche Gesellschaften sind beteiligt.

Für den Prozess in Schottland haben sie die Zweckgesellschaft Minmar gegründet, die als Kläger auftritt. Offenbar war das Verfahren im wesentlichen als Druckmittel gedacht, um die libysche Regierung zum Einlenken zu bewegen. Während Tripolis vor der UN eine Verantwortung für den Bombenanschlag eingeräumt hat, lehnte es gegenüber den Versicherern und Pan Am bislang jede Zahlung ab. Jetzt sind sich die Beteiligten offenbar bei Verhandlungen in Paris näher gekommen. Dabei sei allerdings nur eine grundsätzliche Einigung erzielt worden, konkrete Beträge stünden noch nicht fest, hieß es in Versicherungskreisen.

Zitat:

„Es gab eine günstige Übereinkunft mit Libyen“ – Rechtsanwalt Anthony Hobkinson

Quelle: Financial Times Deutschland


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