Swiss Re macht Ernst mit Verbriefung

Rückversicherer will hohe Schwankungen bekämpfen · Gutes Halbjahr im Kerngeschäft

Von Herbert Fromme, Köln Swiss Re, weltweit der zweitgrößte Rückversicherer, will in 18 Monaten eine weitreichende Veränderung im Geschäftsmodell vorstellen. Bis dann soll die Verbriefung von Standard-Versicherungsrisiken im Kapitalmarkt Realität werden, sagte Konzernchef John Coomber in London bei einer Presse- und Telefonkonferenz zu den Halbjahreszahlen.

„Wir müssen die Bilanzdynamik steigern und die Margen erhöhen“, sagte er. Damit will Coomber auch auf den Abwärtstrend der Rückversicherungsaktien in den vergangenen Monaten reagieren, der trotz des erfolgreichen Geschäftsverlaufs auch die Swiss Re getroffen hat. Die Aktie verlor seit Anfang 2004 insgesamt 16,3 Prozent. Konkurrent Münchener Rück liegt 20,5 Prozent im Minus, die Hannover Rück 4,9 Prozent.

„In der Kursentwicklung steckt eine Nachricht an uns“, sagte Coomber. Investoren scheuten die Branche wegen der hohen Volatilität und den niedrigen Gewinnen. „Die Verbriefung ist ein Weg aus diesem Dilemma.“ Damit will er dem Vorbild der Banken folgen, die deutlich stabilere Gewinne als die Versicherer hätten.

Auch gestern reagierten die Aktienmärkte nur verhalten auf die Swiss-Re-Zahlen, obwohl das Unternehmen eine Verdoppelung des Gewinns auf 1,4 Mrd. Schweizer Franken melden konnte. Die Aktie schloss unverändert bei 72,10 Franken.

Das Ergebnis profitierte von der Hochpreisphase in der Rückversicherung, der strikten Zeichungspolitik sowie guten Kapitalanlageergebnissen. Die Swiss Re habe die richtige Geschäftspolitik bei der Beurteilung von Risiken und der Preisfestsetzung, dem so genannten Underwriting, verfolgt, sagte Coomber. „Unser Underwriting ist darauf gerichtet, frühere Fehler nicht zu wiederholen.“ In den neunziger Jahren hatten sich die Rückversicherer mit Dumping-Angeboten niederkonkurriert, weil sie den eigentlichen Gewinn aus den Aktienanlagen zogen.

Als Konsequenz der rigiden Haltung verbesserte sich die Schaden- und Kostenquote weiter. In der ersten Hälfte 2003 gab die Swiss Re noch 99,8 Prozent der Beiträge für Schäden und Kosten aus, jetzt waren es nur 96,1 Prozent. „Dazu trug auch die geringe Anzahl von Großschäden im ersten Halbjahr bei“, sagte Finanzchefin Ann Godbehere.

Zum starken Ergebnis in der ersten Hälfte trugen auch höhere Kapitalerträge von 3,1 Mrd. Franken bei, die zum Teil auf dem Verkauf von Wertpapieren beruhen. Die Rendite auf Kapitalanlagen stieg von 4,8 Prozent auf 5,8 Prozent. Auch wenn das Niveau möglicherweise nicht gehalten werden kann, erwartet Coomber „sehr gute Ergebnisse“ für das volle Jahr 2004.

Das Problem der Terrordeckung für Luftfahrtgesellschaften wird nach Ansicht von Vorstand Stefan Lippe möglicherweise durch eine Kombination eines privaten Versicherungspools mit einer Staatsdeckung für Spitzenrisiken gelöst. Die Assekuranz habe Schwierigkeiten, Prämien für Terrorrisiken ordentlich zu kalkulieren. Bestehende Angebote für Terrordeckungen seien den Fluglinien aber oft zu teuer. In den Bestrebungen der Luftfahrtbranche in Richtung Staatshaftung sieht Lippe aber auch den Versuch mancher Fluglinie, Kosten zu senken.

Quelle: Financial Times Deutschland


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