Zurich Financial verdoppelt Gewinn

Nachreservierungen sind weiter Sorgenquelle des Versicherers · Hurrikan „Charley“ kostet 150 Mio. Dollar

Von Haig Simonian, Zürich, und Herbert Fromme, Frankfurt Die marktweit hohen Preise und das Ausbleiben von Großschäden halfen der angeschlagenen Zurich Financial Services (ZFS), sich weiter aus der schweren Krise der Jahre 2002 und 2003 zu befreien. ZFS legte für das erste Halbjahr einen Gewinn von 1,45 Mrd. $ vor, 93 Prozent über dem Vorjahreswert. Negativ fiel der hohe Bedarf an Nachreservierungen auf: Das Unternehmen musste weitere 656 Mio. $ dafür ausgeben, die Schadensrückstellungen für vergangene Jahre auf ein realistischeres Niveau zu bringen.

ZFS war vor zwei Jahren in schwere Turbulenzen geraten – die Überexpansion der vorhergehenden Jahre rächte sich, und die Börsenkrise schlug bei dem hoch in Aktien engagierten Versicherer besonders hart zu. Der Abgang des umstrittenen Konzernlenkers Rolf Hüppi und der Rekordverlust von 3,4 Mrd. $ markierte 2002 den Tiefpunkt. Inzwischen sei ZFS in der „zweiten Phase“ der Genesung, sagte Konzernchef James Schiro der Financial Times am Rande der Vorstellung der Halbjahreszahlen. Es bleibe jedoch noch sehr viel zu tun. ZFS werde sich auch in einem veränderten Marktumfeld diszipliniert daran halten, nur gewinnbringendes Geschäft zu zeichnen, auch wenn das zu Lasten des Wachstums geht. In der Lebensversicherung hat ZFS bewusst die Prämieneinnahmen um 10 Prozent auf 5,68 Mrd. $ zurückgefahren und Geschäft mit unterdurchschnittlichem Gewinn aufgegeben. Das Hauptgeschäft mit Schaden- und Unfallpolicen wuchs um sechs Prozent auf 20,56 Mrd. $. Aber auch hier sei ZFS genau so gewinnorientiert wie in der Lebensversicherung, sagte Schiro.

Er zeigte sich vorsichtig mit Blick auf künftige Entwicklungen. „Unsere Märkte bleiben fragil“, sagte er. „Wir wussten, dass das positive Umfeld der letzten 18 Monate, das durch das Ausbleiben von großen Katastrophen und eine geringe Schadenhäufigkeit gekennzeichnet war, nicht ewig bestehen bleiben würde.“ Das habe Hurrikan „Charley“ gerade schmerzhaft in Erinnerung gerufen. ZFS rechnet dafür mit Schadensforderungen von 150 Mio. $ für eigene Rechnung.

ZFS muss noch immer Altlasten bereinigen. In früheren Jahren hatte das Unternehmen zu wenig für Schäden vor allem aus dem US-Haftpflichtgeschäft zurückgestellt. Jetzt muss ZFS dafür nachreservieren. Das wirkt sich negativ auf das operative Ergebnis aus der eigentlichen Versicherungstätigkeit aus. Zwar konnte ZFS die Ausgaben für Schäden und Kosten von 98,8 Prozent auf 96,7 Prozent der Beitragseinnahmen senken. Aber damit liegt das Unternehmen bei dieser zentralen Messlatte der Branche, der so genannten Schaden-Kosten-Quote, weiter deutlich schlechter als große Konkurrenten, die ebenfalls vom günstigen Marktumfeld profitieren. Die Allianz zum Beispiel erzielte im ersten Halbjahr eine Quote von 94,3 Prozent.

Schiro sagte, eine Rückkehr zu den Preiskämpfen der 90er Jahre werde es nicht geben. Die Branche habe ihre Lektion gelernt und werde Preisdisziplin üben, auch wenn das allgemeine Umfeld sich verschlechtere. Der frühere Wirtschaftsprüfer gestand zu, dass die Branche ähnliche Versprechen in der Vergangenheit oft nicht gehalten habe. Daher rühre möglicherweise die Skepsis vieler Anleger gegenüber Versicherungsaktien, die sich in den niedrigen Aktienkursen ausdrückt, sagte Schiro. Die Branche habe ihr Verhalten aber geändert, weil sie sich nicht mehr auf Aktiengewinne zum Ausgleich von Versicherungsverlusten verlassen könne.

Zitat:

„Wir wussten, dass das positive Umfeld nicht ewig bestehen bleibt“ – James Schiro, Konzernchef Zurich Financial

Bild(er):

Der Wirtschaftsprüfer James Schiro ist Chef des Versicherers Zurich Financial Services, der vor allem in den USA und Europa tätig ist – Bloomberg/Moser

Quelle: Financial Times Deutschland


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