Die Fangemeinde der Traumschiffe wächst

Kreuzfahrtreedereien legen im deutschen Markt kräftig zu · Branche zielt mit neuen Konzepten auf jüngere Kunden

Von Katrin Berkenkopf Meer-Urlaub, das wollen immer mehr Deutsche erleben. In diesem Jahr dürfte die Zahl der deutschen Kreuzfahrtpassagiere wieder um mindestens zehn Prozent zulegen, schätzt Richard Vogel, Vorstandsmitglied des Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalter Verbandes. Viele Seereisende bleiben dabei gerne in der Nähe, statt tropische Ferne zu suchen: „Der große Renner war der Norden.“

2003 machten erstmals mehr als 500 000 Deutsche Urlaub auf hoher See. Früher waren Kreuzfahrten als Freizeitvergnügen betuchter Senioren belächelt, heute sind sie durchaus auch etwas für Jüngere. Daran haben vor allem die Aida-Clubschiffe von Seetours in den vergangenen Jahren großen Anteil: Cluburlaub im T-Shirt statt Captain’s Dinner im Smoking. Statt der traditionellen Weltreise ziehen die Urlauber jetzt ein- bis zweiwöchige Reisen vor.

Seetours ist heute der größte deutsche Anbieter von Kreuzfahrten. Mittlerweile ist das Unternehmen eine Tochter von Carnival, der weltgrößten Kreuzfahrtreederei aus den USA. Seinen Marktanteil beziffert Seetours mit rund 27 Prozent.

In den nächsten Monaten wird entschieden, ob ein weiteres Schiff bestellt wird. Zurzeit umfasst die Seetours-Flotte vier Schiffe. „Die neuesten Zahlen bestätigen, dass das Potenzial auf dem deutschen Markt weiterhin nicht von der Kapazität gedeckt wird“, sagt Vogel, der selbst bis August im Vorstand des Unternehmens saß. „Seetours wird mit Sicherheit noch nachlegen.“

Weil so viele Passagiere die Nord- und vor allem Ostsee als Kreuzfahrtziel wählen, profitieren auch die deutschen Häfen. Die Schiffsmakler von Sartori & Berger, einem Spezialisten für die Abfertigung von Kreuzfahrern, erwarten, dass im nächsten Jahr Ozeanriesen erstmals mehr als 500-mal heimische Häfen anlaufen.

Die Schiffe selbst sind oft auch Attraktion für Schaulustige an Land. Beim Besuch des Luxusdampfers Queen Mary 2 in Hamburg säumten im Juli Zehntausende das Ufer.

Damit es auch für die Passagiere nicht langweilig wird, die mehrmals in der gleichen Region kreuzen wollen, suchen die Reedereien nach immer neuen Zielhäfen. So will Hapag-Lloyd mit seinem Flaggschiff Europa im nächsten Jahr Flensburg anlaufen. Im letzten Jahr ankerten die Hamburger erstmals vor Sylt.

Im vergangenen Winter erst machte die Bremer Reederei Hansa Kreuzfahrten mit Mittelmeertrips für unter 40Euro pro Person und Tag Schlagzeilen. Die durchschnittliche Kreuzfahrt kostet fünfmal so viel.

Jetzt aber ist die Zeit der Preiskämpfe auf dem deutschen Kreuzfahrtmarkt vorbei, sagt Richard Vogel. Was passieren kann, wenn man auf Dauer mit Billigtarifen die Urlauber lockt, habe die Pleite der italienisch-griechischen Reederei Festival im Frühsommer gezeigt. „Für die Branche war das erholsam“, sagt Vogel. Die Passagiere habe das nicht vergrault, denn die konnten auf andere Anbieter umbuchen.

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Urlauber beim Minigolf auf der Queen Elizabeth 2. Großbritannien und die USA sind traditionell bedeutende Kreuzfahrtmärkte, aber Deutschland holt in den letzten Jahren kräftig auf – IT PR

Quelle: Financial Times Deutschland


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