Versicherer Talanx greift nach Konkurrent Gerling

Fusionsgespräche weit fortgeschritten · Neuer Industrieversicherer würde Marktführer Allianz angreifen

Von Herbert Fromme, Zürich Die Konzerne Talanx, früher HDI, und Gerling führen intensive Verhandlungen über eine Zusammenlegung ihrer operativen Versicherer. Nach Informationen aus Branchenkreisen sind die Gespräche „weit fortgeschritten“. Die beiden Unternehmen wollten dazu keinen Kommentar abgeben.

Sollten sich Talanx-Chef Wolf-Dieter Baumgartl und Gerlings Konzernlenker Björn Jansli auf eine Fusion einigen, würde ein Industrieversicherer entstehen, der im Jahr 3 Mrd. Euro Prämieneinnahmen erzielt. Damit würde das neue Unternehmen zum Marktführer Allianz aufschließen. Insgesamt käme die Gruppe in allen Geschäftsfeldern auf mehr als 20 Mrd. Euro Prämieneinnahmen. Die Gerling Holding, bei der die Pensionslasten des Konzerns und die Anteile an dem maroden Rückversicherer liegen, bleibt außen vor. Sie soll Anteile an der Talanx und eine Barsumme erhalten. Das Zusammengehen wäre die größte Versicherungsfusion seit der Schaffung der zur Münchener Rück gehörenden Ergo-Gruppe im Jahr 1997.

Allerdings standen beide Seiten schon einmal kurz vor der Einigung. Im April 2003 waren intensive, über sechs Monate dauernde Fusionsgespräche doch noch gescheitert. Talanx/HDI brach damals die Gespräche ab, weil man zu hohe Altlasten beim Lebensversicherer des Gerling-Konzerns befürchtete. Diese Probleme habe Gerling mittlerweile im Griff, hieß es.

Der Kölner Konzern hält sich aber auch diesmal eine Hintertür offen: Parallel wird mit zwei Finanzkonsortien über den Verkauf der operativen Gesellschaften Gerling Allgemeine und Gerling Leben verhandelt.

Der Gerling-Konzern braucht dringend einen Partner oder Investoren. Mehrheitseigner Rolf Gerling, der 94 Prozent hält, und Aufsichtsratschef Joachim Theye mit sechs Prozent werden kein frisches Geld aufbringen. Das Unternehmen wurde in den vergangenen drei Jahren durch eine schwere Krise erschüttert. Hauptursache waren Überexpansion und hohe Verluste des mittlerweile stillgelegten Rückversicherers.

Die Talanx-Gruppe hatte Ende 2003 angekündigt, durch Übernahmen rasch wachsen zu wollen. Dafür stehe mindestens 1 Mrd. Euro zur Verfügung, sagte Baumgartl damals. Er will Talanx an die Börse bringen und vorher das Kerngeschäft Industrie- und Privatkundengeschäft stärken.

Quelle: Financial Times Deutschland


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