Autoversicherer verschärfen Preiskampf

HDI und DEVK reduzieren um mehr als fünf Prozent · Neuer Allianz-Tarif liegt elf Prozent unter bisherigen Preisen

Von Herbert Fromme, Köln Die Preisschlacht der Kfz-Versicherer spitzt sich zu. Die beiden bedeutenden Autoversicherer HDI in Hannover und DEVK in Köln haben ihre Preise nach Angaben aus Versicherungskreisen um fünf bis sieben Prozent gesenkt. Beide Unternehmen nahmen keine Stellung. Nach Marktführer Allianz und dem Rivalen HUK-Coburg reagieren damit weitere Anbieter auf den verschärften Konkurrenzdruck.

Die Allianz hatte schon zum 1. September ihren Tarif grundlegend verändert und reduziert. Die HUK-Coburg zog daraufhin die für den 1. Januar geplante Einführung eines neuen Tarifs auf den 1. November vor. Bis Ende November können die meisten Autofahrer ihre Verträge mit Wirkung zum 1. Januar 2005 kündigen, der Monat gilt deshalb als entscheidend für das Wechselgeschäft.

Erstmals wird jetzt auch das Ausmaß der Preissenkung durch die Allianz deutlich. Nach Angaben aus Unternehmenskreisen reduziert der Marktführer die Preise im Durchschnitt um elf Prozent.

Das stimmt mit den Berechnungen von Konkurrenten überein, die eine Senkung um 13 Prozent in der Kraftfahrt-Haftpflicht, um 14 Prozent in Vollkasko und um acht Prozent in der sehr kleinen Teilkaskosparte errechnet haben. „Dagegen setzen muss man, dass die Allianz bestimmte Rabatte nicht mehr gewährt“, sagte ein Experte. Zusammen genommen entspreche das in etwa den elf Prozent, die aus dem Allianz-Lager zu hören sind. Offiziell will die Allianz diese Zahl nicht bestätigen. „Der neue Tarif führt dazu, dass in einzelnen Risikosegmenten die Prämie für den Kunden billiger wird, in anderen Risikosegmenten kann es für den Kunden auch zu einer höheren Prämie führen“, sagte ein Sprecher.

Die Allianz bestätigte dagegen, dass sie mit dem Tarif die hohen Kosten ihres bisherigen Tarifdschungels beseitigen will – zur Zeit arbeitet die Gruppe mit mehr als 100 Tarifwerken, das Ergebnis zahlreicher Übernahmen und der Rabattschlacht der 90er Jahre. Deshalb bietet der Versicherer allen Kunden den Umstieg an. „Wir haben in einem ersten Schritt 90 000 Allianz-Kunden angeboten, freiwillig vom Vorteil des neuen Tarifs zu profitieren“, sagte der Sprecher. „Langfristig ist angestrebt, dass alle Allianz-Kunden in einer einheitlichen Tarifgeneration betreut werden.“

Gerüchte, nach denen die Allianz innerhalb von drei Jahren allen 8,8 Millionen Eurobei ihr versicherten Autofahrern die Umstellung anbieten und danach die Alttarife kündigen wolle, dementierte der Sprecher. „Dem Kunden steht es völlig frei, unser Angebot anzunehmen oder weiterhin seine Police mit dem vereinbarten Tarif zu behalten.“

Die deutschen Autoversicherer haben nach fünf schwierigen Jahren 2003 erstmals wieder sehr gut verdient. Die Prämieneinnahmen stiegen um 1,9 Prozent auf 22,4 Mrd. Euro. Das versicherungstechnische Ergebnis – das sind Beiträge abzüglich Kosten und Schadenaufwand – war mit mehr als 600 Mio. Euro positiv. Dazu kommen noch erhebliche Kapitalerträge, weil die Versicherer hohe Reserven für lang laufende Schäden zurücklegen, zum Beispiel für Renten an Verkehrsopfer. Für 2004 werden ähnlich gute Zahlen erwartet.

Allerdings wächst der Markt kaum noch, deshalb ist die Konkurrenz um die vorhandenen Kfz-Verträge sehr groß. Die Allianz hat in den letzten Jahren stetig Marktanteile verloren und mit dem neuen Tarif reagiert.

Zitat:

„Langfristig werden alle Kunden in einer Tarifgeneration betreut“ – Allianz-Sprecher

Quelle: Financial Times Deutschland


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