Münchener Rück bindet Ergo enger ein

Erstversicherer muss Strategie detailliert mit Konzern abstimmen · Vorstandsposten möglicherweise obsolet

Von Herbert Fromme, Köln Die Münchener Rück bindet ihre Erstversicherungstochter Ergo wesentlich enger in den Konzern ein. Nach Informationen der FTD hat der Vorstand in der vergangenen Woche die Einbeziehung der Ergo in die „einheitliche Leitung“ des weltgrößten Rückversicherers beschlossen. Die anderen Töchter Karlsruher und Europäische Reiseversicherung fallen nicht darunter.

Ein Sprecher bestätigte, dass der Ergo-Status verändert wurde. „Der Vorstand hat eine engere Bindung in wesentliche Planungsprozesse beschlossen, das gilt speziell für das Risikomanagement und strategische Fragen“, sagte er. „Das führt dazu, dass aktienrechtlich eine einheitliche Leitung gegeben ist.“ Das habe nichts mit einem Beherrschungsvertrag zu tun.

Das Echo auf den Schritt des Konzerns im Düsseldorfer Topmanagement ist geteilt. Ein Manager sagte, Ergo werde zu einer Abteilung der Münchener Rück degradiert. Ein zweiter wies dagegen darauf hin, dass die Münchener Rück jetzt endlich ihre Verantwortung für den Gesamtkonzern ernst nehme. Im Umfeld des Unternehmens wird bereits die Frage gestellt, wie lange Ergo noch gebraucht werde. „Wenn die zentralen Entscheidungen ohnehin auf Konzernebene fallen, stellt sich die Frage, warum man in Düsseldorf noch einen Finanz- oder einen IT-Vorstand haben muss“, sagte ein Kenner des Konzerns. Der Münchener-Rück-Sprecher spielt die Bedenken herunter: „Insbesondere die Steuerung der Zusammenarbeit der Erstversicherer sowie weitere wesentliche Aufgaben liegen unverändert in der Verantwortung der Ergo.“

Die Münchener Rück ist als Rückversicherer tätig. Sie deckt Erstversicherer – die ihrerseits mit Firmen und Privatleuten Geschäfte machen – gegen Großschäden und andere hohe Belastungen ab. Gleichzeitig ist das Unternehmen in den letzten Jahren hinter der Allianz zum zweitgrößten Erstversicherer in Deutschland aufgestiegen, die meisten dieser Töchter werden über die Zwischenholding Ergo kontrolliert. Bisher hatte die Münchener Rück immer auf Distanz geachtet. Schließlich sind ihre Kunden Konkurrenten der Ergo. Jeder von ihnen erlaubt seinem Rückversicherer zwangsläufig tiefe Einblicke in die Geschäfte und möchte nicht, dass Erkenntnisse daraus sich bei Ergo finden.

Konzernchef Nikolaus von Bomhard gibt die Distanz jetzt auf. Ergo hatte großen Anteil an den schlechten Ergebnissen des Konzerns, die 2003 im Jahresverlust von 434 Mio. Euro kulminierten.

Künftig wird die Düsseldorfer Zwischenholding wesentlich enger von der Münchner Zentrale geführt. Schon beim Plan für den gerade laufenden Generalumbau Ergos hatte von Bomhard das entscheidende Wort.

Ergo dagegen bleibt weiter im obersten Leitungsgremium außen vor – Vorstandschef Lothar Meyer wird auch künftig nicht Mitglied des Konzernvorstands, so der Sprecher. Ändern dürfte sich die Zusammensetzung der Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat. Bisher waren nur die Mitarbeiter der Münchener Rück wahlberechtigt, künftig sind es auch die Kollegen bei Ergo.

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Münchener-Rück-Chef Nikolaus von Bomhard schafft klare Verhältnisse Ergo-Chef Lothar Meyer muss sich enger mit München abstimmen – Phalanx/Thomas Imo; Martin Hagen

Quelle: Financial Times Deutschland


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