DKV übernimmt in Spanien Staatsaufgaben

Krankenversicherer gewinnt regionalen Versorgungsauftrag

Von Ilse Schlingensiepen, Köln Die Deutsche Krankenversicherung AG (DKV) expandiert in Spanien in die Gesundheitsversorgung. Ihre Tochter DKV Seguros übernimmt ab 2007 für zunächst 15 Jahre die öffentliche Gesundheitsversorgung in der südspanischen Region Denia mit 140 000 Einwohnern.

Das Unternehmen hat eine Ausschreibung der Regionalregierung gewonnen. Es erhält vom Staat pro gesetzlich Versicherten eine jährliche Pauschale von zunächst 490 Euro. Dafür muss die DKV Seguros die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung sicherstellen.

Der DKV gelingt in Spanien, was privaten Krankenversicherern (PKV) in Deutschland nur punktuell möglich ist. Sie wird direkter Vertragspartner von Ärzten und anderen Leistungsanbietern. Vor allem kann sie Erfahrungen außerhalb der klassischen Versicherungsfelder machen. Die DKV arbeitet wie andere PKV-Unternehmen schon länger daran, statt nur Kosten zur erstatten, ihren Kunden Gesundheitsleistungen anzubieten. Sie hat eigene Zentren für Ärzte und Zahnärzte aufgebaut und ist mit fünf ambulanten Pflegediensten aktiv. Doch im größten Teil der Gesundheitsversorgung, die von den gesetzlichen Kassen dominiert ist, bleibt sie außen vor.

Die DKV Seguros ist nach Angaben der DKV, die zur Münchener Rück-Gruppe gehört, mit 209 Mio. Euro Prämieneinnahmen fünftgrößter spanischer Krankenversicherer. In Denia muss sie sich an Vorgaben für die Versorgung halten und regelmäßig an staatliche Stellen berichten. Im steuerfinanzierten spanischen Gesundheitssystem haben die gesetzlich Versicherten – rund 98 Prozent der Bevölkerung – geringere Leistungsansprüche als in Deutschland.

Für DKV-Vorstand Jochen Messemer ist das Projekt in Spanien wegweisend. Regierungen verfügten häufig nicht über die Mittel und Erfahrung, steuernd auf Kosten und Qualität der Gesundheitsversorgung einzuwirken, sagte er. „Daher suchen sie weltweit zunehmend nach privaten Partnern, die langfristig Verantwortung für die Gesundheitsversorgung übernehmen.“

Quelle: Financial Times Deutschland


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