Globale Rück fürchtet große US-Probleme

Insolvenz der New Yorker Tochter nicht ausgeschlossen · FTD-Interview mit Vorstandschef Achim Kann

Von Herbert Fromme, Köln Die in Abwicklung befindliche Globale Rückversicherung fürchtet die Insolvenz ihrer US-Tochter, wenn die New Yorker Versicherungsaufsicht eine deutliche Stärkung der Schadenreserven verlangt. „Eine solche Forderung ist für mich die wahrscheinliche Variante“, sagte Achim Kann, Vorstandschef der einst als Gerling Globale bekannten Gesellschaft, im FTD-Interview. „Wir sind nicht bereit, in einem größeren Ausmaß noch einmal Geld in die USA zu schicken.“ Eine Insolvenz der Gerling Global Reinsurance Co. of America könne er daher nicht ausschließen. „Nur wenn es sich um vertretbare Größen handelt, sind wir bereit, noch einmal etwas für die USA zu tun.“

Zurzeit habe die Gerling Global USA Schadenreserven von 800 Mio. $, sagte Kann. „Das ist nicht üppig, aber ausreichend.“ Er hält es aber für wahrscheinlich, dass ein von der Aufsicht in Auftrag gegebenes Gutachten trotzdem eine Verstärkung dieser Reserven um 100 Mio. $ oder mehr fordert. „Uns wurde von der Aufsicht zugesagt, dass eine Entscheidung in der ersten Jahreshälfte fällt.“

Die New Yorker Aufsicht hat bisher die Übertragung der Globale Rück von der Gerling-Holding auf zwei von Kann kontrollierte kleine Gesellschaften nicht genehmigt. „Die Aktien sind nach wie vor im Besitz der Gerling-Konzern Beteiligungsgesellschaft. Solange die US-Aufseher nicht zustimmen, gibt es keinen Change of Control“, sagte Kann.

Kommt die Insolvenz der US-Gesellschaft, müsste die Globale Rück in Köln 160 Mio. Euro abschreiben. Mit diesem Wert steht die Tochter in ihrer Bilanz. „Das wären die Erträge der Jahre 2003 bis 2005“, sagte Kann. Die Globale sei dann aber nicht pleite. Eine US-Insolvenz würde sich wahrscheinlich negativ auf die Gerling-Holding auswirken, in deren Bilanz die Globale Rück mit einer Forderung an Kann in Höhe von 260 Mio. Euro steht. Sie müsste dann wohl noch länger auf ihr Geld warten – wenn sie es je sieht. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin wäre ebenfalls wenig erfreut. Sie steht wegen der Krise der früheren Gerling Rück ohnehin in der Kritik von Aufsehern aus anderen Ländern.

Die Gerling Globale stellte nach hohen Verlusten, die vor allem aus der Überexpansion in den USA stammten, 2002 das Neugeschäft außer in der Lebens-Rückversicherung ein. Seit 2003 wird der einstmals sechstgrößte Rückversicherer der Welt abgewickelt, die größte Abwicklung in der Versicherungsgeschichte.

Sie kann lange dauern. „Unsere Risiken aus technischen Versicherungen reichen bis 2020“, sagte Kann. Bis dahin könnten noch Schäden gemeldet werden. Neugeschäft macht die Globale nicht, anfallende Schäden werden bezahlt.

Gleichzeitig sucht Kann Ablösevereinbarungen mit Kunden. Sie erhalten eine Barabfindung und verzichten dann auf Ansprüche aus den Rückversicherungsverträgen. „Die Abwicklungen haben sich oft als schwierig herausgestellt“, sagte Kann. Zwar habe man mit großen Kunden wie der Allianz entsprechende Vereinbarungen abgeschlossen. Viele andere Gesellschaften weigerten sich aber, gegen einen Abschlag auf künftige Zahlungen zu verzichten.

Kann bestritt, dass seine Aussagen über die Probleme in den USA den Zweck haben könnten, Kunden zu schrecken und in eine ungünstige Ablösung zu treiben.

In Europa sei die Abwicklung finanziell gesichert, allerdings gebe es auch hier Unwägbarkeiten. „Die Gerling-Gruppe hat früher gegen einige goldene Bilanzregeln verstoßen“, sagte Kann. So seien Tochtergesellschaften der Globale Rück nicht mit Mitteln des Eigenkapitals gekauft worden, sondern aus den Schadenreserven. „Das hat zur Folge, dass ein Teil der Schadenreserven durch Beteiligungen abgedeckt wird. Die Frage ist, ob man die rechtzeitig realisieren kann.“ Betroffen sind etwa 800 Mio. Euro von den 1,5 Mrd.Euro Schadenreserven, die das Unternehmen hat und auch braucht, um die Ansprüche seiner Kunden zu befriedigen. „Der größte Brocken davon ist die Revios AG, unser Lebensrückversicherer“, sagte Kann. Die stehe mit 500 Mio. Euro in den Büchern und werde demnächst „an langfristig interessierte strategische Anleger“ verkauft. Der Kaufpreis dürfte in der Nähe des Buchwerts liegen.

Zitat:

„Wir sind nicht bereit, in einem größeren Ausmaß Geld zu schicken“ – Achim Kann, Globale-Chef

Bild(er):

Der 68-jährige Achim Kann, Ex-Chef von Frankona Rück, leitet die Abwicklung der Globale Rück

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv, RTF Import