Staatsanwalt lädt erneut AIG-Manager vor

Chefermittler Eliot Spitzer und Börsenaufsicht SEC untersuchen größten US-Versicherer · Finanzrückversicherung in der Kritik

Von Heike Buchter, New York, und Herbert Fromme, Köln Der US-Versicherungskonzern American International Group (AIG) hat weitere Vorladungen des New Yorker Generalstaatsanwalts Eliot Spitzer sowie der Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) erhalten. Das räumte AIG gestern ein. Untersucht werden „nichttraditionelle Versicherungsprodukte“ sowie deren Verbuchung, teilte AIG mit. Nichttraditionelle Deckungen sind auch als Finanzversicherung oder -rückversicherung bekannt. „Wir werden uns kooperativ verhalten“, erklärte der Versicherer.

Ein AIG-Sprecher in New York wollte keine Details zu den diesmal betroffenen Geschäften und Kunden nennen. Offenbar handelt es sich um neue Vorwürfe. AIG hatte sich im November mit den Behörden auf einen Vergleich in Höhe von 126 Mio. $ geeinigt. Dabei war es ebenfalls um die Finanzversicherung gegangen. AIG soll es der Mobilfunkfirma Brightpoint und dem Finanzinstitut PNC ermöglicht haben, höhere Gewinne auszuweisen als sie eigentlich verdient hatten.

AIG-Vorstandschef Maurice Greenberg sagte gestern kurzfristig seinen Auftritt bei einer Investorenkonferenz in New York ab.

Neben AIG sind in den vergangenen Monaten mindestens acht weitere Unternehmen im Zusammenhang mit der Finanzversicherung in das Visier der Aufsichtsbehörden geraten. Darunter befinden sich der Bermuda-Versicherer Ace sowie Berkshire Hathaway, das Holding-Unternehmen von Großinvestor Warren Buffett. Zu Berkshire Hathaway gehört auch der Rückversicherer Gen Re, der in Deutschland mit der Kölnischen Rück vertreten ist.

Die Ermittler untersuchen, ob Finanzversicherungsgeschäfte zur Bilanzkosmetik eingesetzt wurde. Finanzversicherungsverträge enthalten zwar immer auch einen Risikotransfer, wenn sie nicht von vornherein illegal sind, haben aber gleichzeitig Elemente eines Darlehens. Beliebt sind Vorfinanzierungen künftiger Gewinne durch Rückversicherer. Dadurch kann das betreffende Unternehmen in einem Jahr, in dem es hohe Schäden oder Kosten hat, trotzdem einen ordentlichen Jahresgewinn ausweisen. Anders als Bankdarlehen sind solche Finanzdeals in der Bilanz nicht sichtbar.

Das Geschäft ist weit verbreitet – trotz mehrerer Skandale. So hat sich in Australien herausgestellt, dass bei der Pleite des Rückversicherers HIH Finanzrückversicherungsdeals eine große Rolle gespielt haben. In Deutschland hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Ex-MLP-Chef Bernhard Termühlen und zwei weitere Manager wegen Bilanzfälschung erhoben. Auch hier geht es um die Vorfinanzierung von Gewinnen mit Hilfe von Rückversicherern, die MLP ein stetiges Gewinnwachstum ermöglichten. Dadurch seien Anleger getäuscht worden, glauben die Heidelberger Staatsanwälte. Das Gericht hat noch nicht entschieden, ob die Anklage zugelassen wird.

Belastet wird AIG auch durch die Untersuchungen von Angebotsbetrug und Provisionsschneiderei in der Versicherungsbranche. Generalstaatsanwalt Spitzer prangerte im Oktober 2004 die Praktiken von Versicherungsmaklern an, vor allem von Marsh & McLennan. In diesem Zusammenhang bekannten sich zwei AIG-Manager schuldig, an Betrügereien beteiligt gewesen zu sein.

Zitat:

„Wir werden uns kooperativ verhalten“ – US-Versicherer American International Group

Quelle: Financial Times Deutschland


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