US-Versicherer erhöhen erneut Asbestreserven

Branche wappnet sich gegen neue Klagewelle

Von Herbert Fromme, Köln Die US-Versicherer St. Paul Travelers und Chubb haben ihre Rückstellungen für erwartete Ansprüche aus Asbestschäden erneut erhöht. St. Paul Travelers musste im vierten Quartal 922 Mio. $ für Asbestschäden und 84 Mio. $ für Umwelthaftungen zurückstellen. Chubb verstärkte die Reserven um 75 Mio. $.

Auch Industrieunternehmen müssen tiefer in die Tasche greifen: Der Sanitärartikelhersteller American Standard rechnet mit weiteren Kosten von 188 Mio. $.

Die hohen Nachreservierungen kommen überraschend. Sie werden sehr wahrscheinlich auch internationale Rückversicherer belasten. „Bisher gibt es aber keine Anzeichen, dass es sich um ein Volumen wie 2003 handelt“, sagte ein Manager. Damals mussten die großen Rückversicherer ihre Asbestreserven um dreistellige Millionenbeträge stärken.

Asbest wurde in den 40er bis 60er Jahren als Baumaterial verwendet. Asbeststaub kann Krebs und andere Krankheiten auslösen. Mehr als 100 000 Menschen, die früher mit Asbest gearbeitet haben, sind inzwischen gestorben. In den letzten zwei Jahren haben Haftpflichtanwälte, die gegen Erfolgsbeteiligung agieren, eine neue Klagewelle losgetreten. Sie verlangen Schadensersatz für Mandanten, die mit Asbest in Berührung kamen, bisher aber nicht erkrankt sind. US-Präsident George W. Bush will die Ansprüche reduzieren, das Gesetz hängt noch im parlamentarischen Prozess. Auch Ansprüche wegen Siliziumschäden werden zunehmend gestellt.

Quelle: Financial Times Deutschland


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