US-Behörden verstärken Druck auf AIG

Im Versicherungsskandal um geschönte Bilanzen beim Versicherer American International Group (AIG) verschärfen die Behörden die Gangart. Der New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer bereitet Klagen gegen verantwortliche AIG-Manager vor, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Unklar ist, ob der langjährige AIG-Chef Maurice Greenberg belangt wird.
AIG musste Anfang des Monats öffentlich Bilanzmanipulationen einräumen. Das Unternehmen ist derzeit dabei, seine Bilanzen für vier Jahre zu korrigieren. Zahlen will es Ende der Woche vorlegen.
Für den neuen AIG-Vorstandschef Martin Sullivan ist dies nicht die einzige Sorge. Der US-Bundesstaat Florida hat AIG mit dem Entzug der Zulassung gedroht. Floridas Versicherungsaufsicht stellte dem Unternehmen vergangene Woche ein Ultimatum: AIG muss sämtliche Informationen über Bilanzmanipulationen offen legen sowie verantwortliche Angestellte benennen und entlassen. Der Pensionsfonds der Stadt San Francisco hat überdies gegen AIG wegen Wertpapierbetrugs eine Sammelklage angestrengt. „Mit dieser Klage wollen wir die öffentlichen Gelder zurückholen, die den Angestellten im öffentlichen Dienst gestohlen wurden“, sagte Dennis Herrera, San Franciscos Staatsanwalt.
Im Zentrum der Untersuchungen stehen Finanzrückversicherungen. Die Ermittler werfen AIG vor, diese komplexen Finanzprodukte genutzt zu haben, um Investoren über die wahre Situation des Unternehmens zu täuschen. Über den Bilanzskandal stürzte bereits im März nach 38 Jahren auf dem Chefsessel der 80-jährige Greenberg.
Die Behörden konzentrieren sich bei ihren Ermittlungen auf eine Transaktion über 500 Mio. $ zwischen AIG und dem Rückversicherer General Re, die 2000 und 2001 abgewickelt wurde. AIG hat bereits eingeräumt, dass dabei entgegen der Darstellung in den Büchern des Unternehmens kein Risiko an General Re übertragen wurde. Damit hätte die Transaktion nicht mehr als Versicherungsdeal gebucht werden dürfen.
Inzwischen geraten auch die General Re und ihre deutsche Tochter Kölnische Rück, über deren Dubliner Tochtergesellschaft Cologne Re Dublin die Transaktionen abgewickelt wurden, immer stärker ins Visier der Fahnder. Ronald Ferguson, der damalige General-Re-Chef, hat am Samstag die Aussagen vor Justizministerium und Börsenaufsicht verweigert, weil er sich selbst belasten könnte. An mindestens zwei Gen-Re-Manager hat die Börsenaufsicht so genannte Wells Notices verschickt, der erste Schritt in einem formalen Verfahren.
General Re unternimmt große Anstrengungen, den jetzigen Konzernchef Joe Brandon aus den Ermittlungen herauszuhalten. So verbreitet das Unternehmen, zur Zeit des umstrittenen Deals sei Elizabeth Monrad Finanzchefin gewesen. Tatsächlich war sie Leiterin des Rechnungswesens – Finanzchef war Joe Brandon. „Über seinen Schreibtisch gingen alle halbwegs wichtigen Deals“, erklärte ein Insider.
Monrad war 2003 als Finanzvorstand zu TIAA-CREF gegangen, dem Pensionsfonds der US-Lehrergewerkschaft. Auch sie erhielt eine Wells Notice, wonach die Aufseher eine Untersuchung einleiten wollen, und ließ daraufhin mit sofortiger Wirkung ihr Amt ruhen.
Der Fonds gehört zu den mächtigsten Investoren des Landes und verwaltet derzeit rund 340 Mrd. $.

Quelle: Financial Times Deutschland


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