Commerzbank-Umbau verzögert sich

Der Umbau der Commerzbank zur Mittelstandsbank verzögert sich um vier Wochen. Das Konzept für das größte Geschäftsfeld werde erst Mitte Juli in einer Sitzung des Gesamtbetriebsratsausschusses vorgestellt, sagte gestern Uwe Tschäge, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats, der FTD. Ursprünglich hätte dieser Termin Mitte Juni stattfinden sollen. Erst danach startet der Vorstand die Verhandlungen mit den Arbeitnehmern.
Der stellvertretende Aufsichtsratschef Tschäge vermutet, dass eine „markante Zahl von Stellen“ abgebaut werde. Diese werde aber unterhalb der rechnerischen Zahl von 830 liegen. Der für das zu Jahresbeginn neu aufgestellte Ressort zuständige Vorstand Martin Blessing hatte angekündigt, bis 2007 zehn Prozent der Kosten zu sparen. Derzeit beschäftigt die Mittelstandsbank 8300 Mitarbeiter. Als Grund für die Verzögerung nannte Tschäge, dass die mit dem Konzept betrauten Berater von McKinsey mehr Zeit benötigten. Ein Commerzbank-Sprecher sagte dagegen, ihm sei von Verzögerungen nichts bekannt.
Mit dem Umbau des größten Geschäftsfelds will Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller die Rendite erhöhen und so das Gewicht des im internationalen Vergleich kleinen Instituts erhöhen. Das Geschäft mit dem Mittelstand bindet mit Abstand das meiste Eigenkapital, warf zuletzt aber nur sechs Prozent Rendite ab. Dieser Wert soll auf 17 Prozent steigen.
Gestern gab zudem die Großaktionärin Münchener Rück bekannt, zwölf Millionen Commerzbank-Aktien außerbörslich bei institutionellen Investoren platziert zu haben. Damit reduziert sie ihren Anteil von sieben auf knapp fünf Prozent.
Die Commerzbank wird so angreifbarer für Übernahmen, da sie mit ihrem langjährigen Kooperationspartner Generali, der 9,1 Prozent hält, nur noch einen Großaktionär hat. Den Paketverkauf werteten Analysten aber als Signal, dass unmittelbar keine Übernahme der drittgrößten börsennotierten deutschen Bank ansteht. Die Aktie fiel um 1,2 Prozent auf 18,43Euro. „Das Kapitalmarktumfeld war günstig“, begründete die Münchener Rück den Verkauf. Der Aktie hätten wohl auch die Ereignisse um die HypoVereinsbank geholfen, die von der italienischen Großbank Unicredit übernommen werden soll. Seit Jahresbeginn ist der Commerzbank-Kurs um 23 Prozent gestiegen.
Die mit der Platzierung beauftragte Citigroup teilte mit, dass der Dienstagsschlusskurs von 18,66 Euro erzielt worden sei. Damit erlöste die Münchener Rück 224 Mio.Euro. Der Versicherer nahm dazu sowie zum Buchgewinn keine Stellung.

Quelle: Financial Times Deutschland


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