Swiss Re verteidigt Übernahme

Risiken aus Kauf von GE Insurance beherrschbar · FTD-Interview mit dem künftigen Konzernchef Jacques Aigrain

VON Herbert Fromme, Köln Jacques Aigrain, Vorstandsmitglied und künftiger Chef von Swiss Re, hat die Übernahme von GE Insurance Solutions (GEIS) gegen Kritik verteidigt. In einem Gespräch mit der FTD sagte Aigrain, der Deal habe weniger Risiken als von manchen angenommen. Vor allem die traditionellen Rückversicherungsunternehmen Employers Re und Frankona Rück – der Kern von GEIS – hätten immer noch einen ausgezeichneten Ruf im Markt und ein solides Geschäftsmodell. „Der traditionelle Zusammenhalt in diesen Segmenten ist sehr stark.“ Dort habe es auch nicht den starken Austausch von Personal gegeben – GEIS hat in den vergangenen drei Jahren 1800 von 3300 Beschäftigten ausgewechselt. „Es kam bei GE Insurance Solutions aber wohl zu einer deutlichen Wertvernichtung bei der großen Zahl von Übernahmen und Diversifizierungsbemühungen“, sagte Aigrain. „Die wurden niemals richtig integriert und kontrolliert.“

Seit drei Jahren sucht GE-Chef Jeffrey Immelt einen Käufer für die verlustbringende Versicherungssparte. Die jetzige Übernahme durch Swiss Re ist teilweise auf Kritik gestoßen. Dass sich so lange niemand fand, liegt auch an den Altlasten. Das Unternehmen macht den größten Teil seines US-Umsatzes mit der Haftpflichtrückversicherung. Es gibt kein Problemgebiet, das nicht auch GEIS betrifft – ob Asbest, Umwelthaftung oder Arbeiterunfalldeckungen. Seit 2000 musste GEIS die Reserven für solche Problemfelder um 7,7 Mrd. $ aufstocken, jetzt kommen noch 2,4 Mrd. $ hinzu.

„Die Qualität des Geschäfts spiegelt sich im Preis wider“, sagte Aigrain. „Wir zahlen 24 Prozent weniger als den Buchwert. Und wir kaufen mit einem riesigen Sicherheitsnetz“, sagte er mit Hinweis auf die hohe Reserveverstärkung. Es habe noch keine Übernahme in der Branche gegeben, die eine solche Struktur aufweisen konnte. „Der Verkauf stärkt GEs Story gegenüber den Anlegern, trotz des Verlustes, den GE dabei macht“, sagte er. „Je niedriger der Preis ist, desto mehr unterstützt er unsere Anlegerstory. Davon profitiert GE. Als großer Aktionär bei uns können sie einen Teil des Geldes wieder hereinholen.“

Swiss Re habe GEIS sorgfältig geprüft. „Ich würde niemals sagen, dass nichts passieren kann. Aber wir fühlen uns mit dem jetzt erreichten Reserveniveau sehr wohl.“

Auch bei der Schätzung, wie sich die Übernahme auf den Umsatz auswirkt, ist Aigrain vorsichtig. „GEIS glaubt, dass wir 90 Prozent seines Geschäfts behalten könnten. Wir rechnen auf Grund unserer eigenen Analyse mit 70 Prozent.“ Teilweise entspreche das Geschäft nicht dem Standard von Swiss Re. Bei einem anderen Teil hätte der Rückversicherer bei Fortsetzung möglicherweise zu viel Risiko bei einer einzelnen Adresse. „Es kann natürlich auch Situationen geben, in denen die Kunden nicht zu abhängig sein wollen von der kombinierten neuen Gruppe.“

Swiss Re wolle eine schnelle Integration. „Das könnte eine Quelle der Probleme gewesen sein, die unsere Freunde in München hatten. Die Integration wurde zu lange hinausgeschoben“, sagte Aigrain mit Blick auf den Konkurrenten Münchener Rück und die Übernahme der American Re. „Es ist viel besser, ein einheitliches System zu haben, einen einheitlichen Umgang mit den Beschäftigten, eine einzelne Marke und auch eine klare Ansprache gegenüber den Kunden, selbst wenn das etwas Umsatz kostet.“ In München haben Swiss Re und GEIS große Deutschlandniederlassungen – wahrscheinlich ziehen beide in den Neubau der Swiss Re in Unterföhring. „Wir haben das noch nicht im Detail entschieden, aber ich glaube, darauf läuft es hinaus. Wir haben genug Platz und sollten alles an einem Ort konsolidieren.“ Das historische Gebäude der Frankona Re werde Swiss Re möglicherweise als Kapitalanlage behalten.

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Freude über den Deal: Swiss-Re-Chef John Coomber (r.) und Vorstand Jacques Aigrain. Er löst Coomber im Januar ab – Reuters/Siggi Bucher

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Quelle: Financial Times Deutschland


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