Converium muss Abschlüsse neu aufstellen

Finanzrückversicherung problematisch · Leichter Verlust

Von Herbert Fromme, Köln Der angeschlagene Züricher Rückversicherer Converium muss eine ganze Reihe von Jahresabschlüssen bis einschließlich 2004 und der ersten Hälfte von 2005 neu aufstellen. Die Auswirkungen auf Gewinnzahlen und Eigenkapital sind jedoch überschaubar. „Unser Eigenkapital zum 30. Juni ist um 69 Mio. $ höher als bisher ausgewiesen und beträgt 1,72 Mrd. $“, sagte der scheidende Converium-Chef Terry Clarke in einer Telefonkonferenz. Interimschef Clarke gibt den Posten Anfang 2006 an Inga Beale ab.

Der positive Effekt im ersten Halbjahr stammte aus einer neuen Bewertung von Steuerverbindlichkeiten, die wegen des Verlusts 2004 reduziert werden konnten. Auswirkungen der Bilanzneufassung auf die Vorjahre nannte Clarke noch nicht.

US-Behörden ermitteln gegen eine Reihe von Unternehmen wegen der fehlerhaften Verbuchung von Finanzgeschäften, die in den Bilanzen als Rückversicherungsverträge geführt wurden. Dadurch wurden Kredite zu Umsatz oder Reserven, Anleger wurden getäuscht, so der Vorwurf, der vom New Yorker Staatsanwalt Eliot Spitzer und dem Justizministerium unter anderem gegen AIG und Gen Re erhoben wird. Auch Converium fand inkonsistente Buchungen. „Eine Reihe von zuvor als Rückversicherung verbuchter Transaktionen sind inkorrekt bilanziert worden“, sagte Clarke. Sie werden jetzt als Finanzgeschäft gezeigt.

Wegen der Überprüfung war die Veröffentlichung der Quartalsergebnisse im November verschoben worden. Gestern teilte Clarke mit, dass der Rückversicherer einen Verlust von 6,9 Mio. $ eingefahren hat, in den ersten neun Monaten einen Gewinn von 34,5 Mio. $. „Diese Zahlen sind wegen der Neufassung der Bilanzen nicht mit Vorjahresperioden vergleichbar“, sagte Clarke. Die Aktie verlor 0,8 Prozent auf 13,15 Franken.

Converium war 2004 wegen hoher US-Altlasten aus den Jahren 1997 bis 2001 in eine Schieflage geraten. Vorstandschef Dirk Lohmann musste Anfang 2005 gehen. Inzwischen wurde die US-Tochter für Neugeschäft geschlossen und wird abgewickelt. Converium soll erhalten bleiben. „Es besteht nicht die Absicht, die Gesellschaft zu verkaufen“, sagte Clarke.

Zitat:

„Es besteht nicht die Absicht zu verkaufen“ – Converium-Chef Clarke –

Quelle: Financial Times Deutschland


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