Kreditversicherer vor Großfusion

Spanischer CyC kauft fast die Hälfte an Ex-Gerling-Tochter Atradius · Druck auf Marktführer Euler-Hermes

Von Herbert Fromme und Ilse Schlingensiepen, Köln Der spanische Kreditversicherer Crédito y Caución (CyC) und sein Anteilseigner Grupo Catalana Occidente stehen kurz davor, die Mehrheit am Amsterdamer Kreditversicherer Atradius zu übernehmen. Die Spanier stockten ihre Anteile von zusammen knapp 25 Prozent auf 49,99 Prozent auf. Nach eigenen Angaben verkaufte die Deutsche Bank 21,16 Prozent an Atradius für 208 Mio. Euro an die Spanier. Die Kölner Privatbank Sal. Oppenheim gab 3,86 Prozent ab.

Eine Fusion zwischen dem EuroWeltmarktzweiten Atradius – früher Gerling NCM- mit 1,08 Mrd. Euro Prämie im Jahr 2004 und der mit 341 Mio. Euro deutlich kleineren CyC rückt damit näher. Fusioniert wären die beiden dem Weltmarktführer Euler-Hermes dicht auf den Fersen. Die Allianz-Tochter erzielte 2004 Prämieneinnahmen von 1,57 Mrd. Euro und hielt damit einen Weltmarktanteil von 34 Prozent.

Kreditversicherer decken ihre Versicherten gegen Forderungsausfälle ab. Wenn beispielsweise ein Bauunternehmen, eine Handelskette oder ein Autohersteller insolvent wird, müssen zahlreiche Lieferanten mit hohen Ausfällen rechnen. Die werden größtenteils durch Kreditversicherer ausgeglichen, sofern eine Police bestand und die Kreditversicherer der Lieferung vorher zugestimmt hatten.

Zudem geben Kreditversicherer Garantien, die Bauunternehmen stellen müssen, um die Fertigstellung und die Beseitigung möglicher Mängel auch im Insolvenzfall zu sichern. Große Schäden gehen in die Millionen – für die Walter-Bau-Pleite veranschlagt die Branche knapp 300 Mio. Euro Schaden.

Das Geschäft ist zurzeit dennoch hoch lukrativ. Die Versicherer liefern sich deshalb eine Konkurrenzschlacht, die vor allem über den Preis ausgetragen wird. In Deutschland sind neben den drei reinen Kreditversicherern Euler Hermes, Atradius und Allgemeine Kredit Coface auch R+V, Zurich, VHV und Versicherungskammer Bayern in diesem Feld aktiv.

Atradius entstand, als der angeschlagene Gerling-Konzern seine gesunde Kreditversicherungstochter Gerling NCM 2003 verkaufte und Deutsche Bank sowie der Rückversicherer Swiss Re einstiegen. Swiss Re hält heute 34,95 Prozent, die Deutsche Bank jetzt noch 12,73 Prozent, Sal. Oppenheim 2,32 Prozent.

Swiss Re hat kein Interesse, den Anteil aufzustocken. „Wir sehen die spanischen Versicherer als Lead Shareholder“, sagte ein Sprecher. Zu einer mögliche Fusion von CyC und Atradius wollte er nichts sagen. „Darüber reden wir, wenn sie mehr als 50 Prozent halten.“ Das könnte schon bald geschehen. Denn die Deutsche Bank sieht ihren Anteil als reines Finanzinvestment. „Wir wollen weiter reduzieren“, sagte ein Sprecher. Damit stehen den Spaniern weitere Käufe offen.

Der Zusammenschluss würde passen. In Spanien – dem fünftgrößten Markt – ist die CyC Marktführer, dafür aber im Rest Europas kaum aktiv. Die Gesellschaft betreibt internationales Geschäft in Lateinamerika, Atradius baut seine Präsenz in Asien aus. Schon heute arbeiten sie zusammen. „Wir sind glücklich verlobt“, beschrieb Atradius-Vorstand Peter Ingenlath im November das Verhältnis.

Quelle: Financial Times Deutschland


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