AWD bündelt Verhandlungen mit Anbietern

Einkaufsgemeinschaft soll Marktmacht stärken

Von Herbert Fromme, Hamburg Der Hannoveraner Finanzvertrieb AWD will künftig die Vertragsverhandlungen mit Anbietern gemeinsam für seine drei deutschen Vertriebsorganisationen führen. Entsprechende FTD-Informationen aus Versicherungskreisen bestätigte ein Unternehmenssprecher. Zurzeit handeln AWD Deutschland sowie die beiden Tochtergesellschaften Tecis in Hamburg und Horbach in Köln separat die Verträge aus.

„Da tauchen dreimal AWD-Leute bei DWS auf“, sagte ein Insider. So etwas führe nicht dazu, dass der Konzern die optimalen Bedingungen bei seinen Vertragspartnern – Versicherern, Banken und Fondsgesellschaften – erreichen könne. Die 6000 AWD-Vertreter verkaufen Versicherungspolicen, Fonds und andere Finanzverträge für Dritte.

Bei der Neuregelung soll es sich nach Unternehmensangaben um eine reine Einkaufsgemeinschaft und nicht um eine Deutschland-Holding handeln. Rechtlich wird sie indes als Zwischenholding firmieren. Bisher ist aber unklar, wer diese Einkaufsgemeinschaft führt. Viel deutet darauf hin, dass dies Rolf Wisswesser sein wird, der zum 1. Januar 2007 von der Allianz zu dem Vertrieb wechselt und dort Chef der AWD Deutschland werden soll.

Personelle Unruhe gibt es bei der Hamburger AWD-Tochter Tecis. AWD-Chef Carsten Maschmeyer hat Tecis-Vorstandsmitglied Moritz Schildt nach FTD-Informationen freigestellt. Das bestätigte der Sprecher, wollte aber zu den Gründen nichts sagen. In Unternehmenskreisen hieß es, Schildt sei „wenig teamfähig“ und habe nur schwer mit Chief Operating Officer Falko Knabe und anderen Führungskräften zusammenarbeiten können.

Bisher war Schildt in seiner Position von Ex-Konzernvorstand Friedemann Derndinger gestützt worden. Derndinger hatte AWD im September verlassen. Ihm lastete Maschmeyer das teure Fiasko bei der inzwischen geschlossenen Italien-Gesellschaft an, die in zwei Jahren einen operativen Verlust von insgesamt 17 Mio.Euro eingefahren hat, sowie Probleme in Großbritannien. Schildt und Derndinger kamen beide von der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) zu AWD. Die BCG-Herkunft ist offenbar zurzeit bei AWD nicht karrierefördernd: Es fehle manchem Manager der „knallharte Wille zur Exekution von Entscheidungen“, hieß es. Allerdings soll es keine Entlassungen geben.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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