Versicherer R+V sucht Übernahmen

Genossenschaftliche Gruppe will weiter stark wachsen

Von Herbert Fromme, Wiesbaden Die Versicherungsgruppe R+V, die zum genossenschaftlichen Finanzsektor gehört, will sich über Zukäufe verstärken. „Wir könnten uns Wachstum über das organische hinaus vorstellen“, sagte Vorstandschef Friedrich Caspers gestern auf der Bilanzpressekonferenz. Das gelte für Deutschland und das Ausland, vor allem Italien und Spanien. Dort ist die R+V bereits aktiv. „Wenn jemand zu uns passt, könnten wir uns weitere Partner vorstellen“, sagte Caspers. Gespräche würden zurzeit aber nicht geführt.

Die R+V traut sich zu, in der anstehenden Konsolidierung der deutschen Assekuranz eine aktive Rolle zu spielen. Seit mehreren Jahren gilt sie als Musterschülerin der Branche. Sie wächst stark, gewinnt Jahr um Jahr Marktanteile und liefert konstant Gewinne ab. Inzwischen gehört die Gruppe mit einem Prämienzuwachs von 8,4 Prozent auf 9,2 Mrd. Euro zu den fünf größten Versicherern. Die Branche legte 2006 nur um 2,8 Prozent zu.

Hauptvertriebsweg sind die 1300 Raiffeisen- und Volksbanken – daher der Name R+V. Vom Neugeschäft in der Lebensversicherung stammen von ihnen 95 Prozent, in der Schaden- und Unfallversicherung sind es 60 Prozent. Allerdings ist die R+V nicht exklusiver Versicherungspartner der Genossen. Vor allem in Bayern und Baden gibt es starke Konkurrenz von Allianz und Karlsruher. Auch in anderen Regionen versuchen Versicherer, den Banken Alternativen zur R+V anzubieten. Vorstandschef Caspers hält mit vergleichsweise hohen Provisionen für die Banken dagegen.Euro

Mit 167 Mio. Euro nach 156 Mio. Euro ist der Jahresüberschuss für ein Unternehmen dieser Größe eher bescheiden. Die R+V gehe anders mit den Interessen von örtlichen Banken, Kunden und Aktionären um als Konkurrenten, die nur vom Ertrag her dächten, sagte Caspers. Größter Aktionär ist die DZ Bank mit 74 Prozent, der Rest liegt bei WGZ und einzelnen Banken.

Mit 2,86 Millionen versicherten Fahrzeugen am Jahresende ist die R+V auch einer der größten Autoversicherer. 2006 gewann sie 155 000 Fahrzeuge hinzu. In der Wechselsaison 2006/2007 hielt sich die Gruppe angesichts sinkender Preise zurück. „Wir haben netto 20 000 Fahrzeuge gewonnen“, sagte Vorstandsmitglied Bernhard Meyer. In der Kfz-Versicherung lag die Schaden- und Kostenquote mit 103,8 Prozent der Beiträge bereits deutlich im negativen Bereich.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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