Assekuranz will Protektor abgeben

Auffanggesellschaft für Mannheimer-Verträge soll an Luxemburger Fonds gehen · Allianz hält zehn Prozent

Von Herbert Fromme, Köln Die Aktionäre des Lebensversicherers Protektor verhandeln nach FTD-Informationen aus Versicherungskreisen mit Augur Capital über den Verkauf der Gesellschaft an einen Luxemburger Private-Equity-Fonds. Protektor war 2002 von der Versicherungsbranche gegründet worden, um den Bestand der notleidenden Mannheimer Lebensversicherung zu übernehmen. Inzwischen wurde das Unternehmen vom Finanzministerium auch mit der Aufgabe betraut, als Sicherungseinrichtung für deutsche Lebensversicherer und Pensionsfonds zu dienen.

Größter Anteilseigner ist die Allianz Lebensversicherung mit zehn Prozent, die übrigen Lebensversicherer im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sind nach Marktanteilen beteiligt. Aufsichtsratsvorsitzender ist Maximilian Zimmerer, Chef der Allianz Leben.

Käufer soll der von Augur aufgelegte Luxemburger Private-Equity-Fonds Augur Financial Opportunity Sicav sein, so die Marktkreise. Das Unternehmen sei auf Investitionen im Finanzbereich, vor allem bei Versicherern spezialisiert, heißt es auf der Augur-Website. Anstelle des in der Private-Equity-Branche üblichen hohen Fremdfinanzierungsanteils sei eine überwiegende Eigenfinanzierung vorgesehen. „Laufende Ausschüttungen werden bereits ein Jahr nach Abruf der Mittel erwartet“, verspricht Augur den Anlegern.

„Die Verhandlungen mit Augur sind weit fortgeschritten“, sagte ein Insider. Der GDV, in dessen Berliner Büros Protektor seinen Sitz hat, wollte nicht Stellung nehmen, das gilt auch für Augur Capital und die Allianz Leben.

Scheitern könnte der Verkauf allerdings noch an möglichen Widerständen in der Regierung. Seit 2004 ist das Finanzministerium gesetzlich verpflichtet, einen Sicherungsfonds für Lebensversicherer einzurichten. Mit der Aufgabe hat es 2006 Protektor betraut, nachdem sich das Unternehmen dafür beworben hatte.

Sollte Protektor an den Luxemburger Fonds verkauft werden, könnte es diese Rolle kaum noch wahrnehmen. Entweder müsste das Ministerium einen anderen Versicherer betrauen oder auf die gesetzlich vorgesehene Notlösung setzen – dann wäre die staatliche KfW der Sicherungsfonds.

Protektor entstand aus einer großen Notlage der Assekuranz. Die Versicherungsgruppe Mannheimer war unter die Räder der Aktienkrise geraten. Die Assekuranz fürchtete, dass Kundeninteressen mit dem Kollaps der Mannheimer Leben geschädigt werden könnten – mit einem hohen Imageverlust für die gesamte Branche. Alternative Auffanglösungen scheiterten entweder an den Versicherern oder an der Finanzaufsicht BaFin, die eine übermäßige Belastung der Kunden zugunsten neuer Mannheimer-Aktionäre verhindern wollte. Schließlich übernahm die von allen Lebensversicherern im GDV gegründete Auffanggesellschaft Protektor die 314 000 Verträge. Die Mannheimer Leben wurde geschlossen, die Schaden- und Unfallgesellschaft und der Krankenversicherer gingen an die Wiener Uniqa.

Schon bei der Gründung gab es erhebliche Widerstände in Teilen der Branche. Vor allem starke und widerstandsfähige Unternehmen fürchteten, dass sie per Umlage für die Managementfehler eines schwachen Wettbewerbers büßen sollten. Jetzt sehen diese Unternehmen Hoffnung, zumindest einen Teil der Mittel, die sie in Protektor stecken mussten, zurückzubekommen. Alle 103 Anteilseigner leisteten bei Gründung Verpflichtungserklärungen für 240 Mio. Euro.

Ein früherer Versuch scheiterte: Im Juli 2004 hatte Protektor den Bestand im Markt angeboten, aber keinen Käufer gefunden, der den geforderten Preis zahlen wollte.

Ende 2006 verwaltete Protektor noch 214 000 Verträge. Der Verkauf von Lebensversicherungsbeständen ist in Deutschland bisher selten, gerade in angelsächsischen Märkten aber üblich. Das muss nicht unbedingt zum Nachteil der Kunden sein. Auch ein möglicher Käufer von Protektor müsste alle vertraglichen Verpflichtungen erfüllen, dazu gehören die garantierte Verzinsung für Standard-Lebensversicherungen sowie die garantierten Renten.

Allerdings muss ein in Abwicklung befindliches Unternehmen keine Rücksicht mehr auf seinen Ruf bei möglichen Neukunden nehmen. Deshalb ist die Bereitschaft, Kulanz zu üben oder sonst wie über die vorgeschriebenen Zahlungen hinauszugehen, sehr gering.

Bild(er):

Protektor agiert bisher als Schirm für die Lebensversicherer – getragen von vielen – mauritius images

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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