Talanx tastet sich an Börse heran

Konkrete Vorbereitungen weit gediehen · Schlechter Markt für Versicherungsaktien Haupthindernis

Von Herbert Fromme, Hannover,und Mark Böschen, Frankfurt Der Hannoveraner Versicherungskonzern Talanx bereitet sich auf einen baldigen Börsengang vor, macht aber die Entscheidung über den Zeitpunkt von der Entwicklung der Kapitalmärkte abhängig. „Zurzeit ist die Situation nicht günstig für Emittenten aus dem Versicherungsbereich“, sagte Talanx-Chef Herbert Haas am Mittwochabend vor Journalisten. Er verwies auf den schlechten Verlauf von Assekuranzaktien.

Haas wollte nicht bestätigen, dass intern der Oktober 2008 als Ziel für die Börsenfähigkeit ausgegeben wurde. Er gab aber indirekt zu, dass sein Unternehmen die Vorbereitungen bereits weit vorangetrieben hat. Zum ersten Mal sagte er bei der traditionellen Jahresendpressekonferenz der Gruppe nichts zum kommenden Jahr. „Die Anwälte haben mir verboten, hier etwas dazu zu sagen, wenn ich mir für 2008 noch die Option für einen Börsengang offenhalten will“, sagte Haas.

Nach FTD-Informationen aus Finanzkreisen hat Talanx die Investmentbank Lazard als Berater mandatiert. Lazard wollte dazu nicht Stellung nehmen. Die Investmentbank JP Morgan nannte Talanx am Dienstag beim Ausblick für Börsengänge 2008 als einen Kandidaten.

Ein Börsengang könne bis zu 1 Mrd. Euro einbringen, sagte Haas. Den bisher immer genannten Zusammenhang zwischen einer Großübernahme und dem darauffolgenden Börsengang hielt er nicht mehr aufrecht. Allerdings soll die Kapitalmaßnahme der weiteren Expansion dienen. Den letzten großen Zukauf, die Übernahme der BHW Lebensversicherung und des Anteils der Postbank an der PB Versicherung, hatte Talanx mit Bankkrediten bezahlt. Die Kreditlinie sei aber lang noch nicht ausgeschöpft, sagte Haas. Sie betrage 1,5 Mrd. Euro, davon habe die BHW/Postbank-Transaktion 550 Mio. Euro gekostet. Weitere Übernahmepläne hat Talanx vor allem in Europa und Südamerika. „Irgendwann ist auch die jetzt vorhandene Linie ausgereizt.“

Die Talanx-Gruppe ist aus dem Haftpflichtverband der Deutschen Industrie (HDI) hervorgegangen, einem Selbsthilfeverein von großen Konzernen für die Abdeckung ihrer Risiken. Nach mehreren Reorganisationen führt die Talanx-Holding die Gruppe, die allerdings immer noch dem Versicherungsverein HDI gehört. Der Name HDI wird auch für operative Versicherer unterhalb der Holding benutzt.

Zu Talanx gehört die Hannover Rück, die Nummer vier im Weltmarkt für Rückversicherung. Die beispiellose Expansion der vergangenen zehn Jahre finanzierte Talanx vor allem durch eine schrittweise Reduzierung des Anteils an dem Rückversicherer, an dem die Gruppe jetzt noch knapp über 50 Prozent hält. Weiter herunterfahren kann Talanx den Anteil nicht, ohne die Mehrheit zu verlieren. „Das wollen wir auf keinen Fall“, sagte Haas.

2006 vollzog Talanx die bisher größte Übernahme. Das Unternehmen kaufte den angeschlagenen Konkurrenten Gerling in Köln. Die operativen Versicherer aus beiden Gruppen sind jetzt fusioniert, die zusammengeführte HDI-Gerling Industrie ist mindestens ebenso groß in der Industrieversicherung wie der Rivale Allianz Global Corporate & Specialty.

Vorstandsmitglied Christian Hinsch erwartet für 2008 noch sinkende Preise. „Die Industrieversicherung ist erheblich unter Druck“, sagte er. Allerdings könne der Wendepunkt schon Ende 2008 kommen, wenn die Verträge für 2009 ausgehandelt werden. Die Gerling-Integration liege im Plan, sagte Hinsch. Von 285 Konzernen, bei denen HDI und Gerling vor der Fusion die Konsortien für die Industriefeuerversicherung angeführt hatten, hat die neue Gruppe nach eigenen Angaben nur drei verloren, nämlich BMW, die Deutsche Bahn und den Discounter Lidl & Schwarz. Letzterer sei zur Allianz gewechselt, weil der Konkurrent die Prämie um 60 Prozent unterboten habe.

Talanx erwartet für 2007 stagnierende Prämieneinnahmen von19,4 Mrd. Euro. Der Gewinn nach Steuern soll allerdings um 56 Prozent auf 613 Mio. Euro ansteigen, gab Haas bekannt. Hauptgrund ist die Auflösung von 277 Mio. Euro an Steuerrückstellungen. Da deutsche Unternehmen ab 2008 deutlich weniger Steuern zahlen, kann der Konzern seine Rückstellungen für künftige Steuern auf erwartete Gewinne aus Reserveauflösungen reduzieren. Die Subprime-Krise treffe die Gruppe nur mit 10 Mio. Euro, sagte Talanx-Chef Haas.

Zitat:

„Die Anwälte haben mir das verboten“ – Talanx-Chef Herbert Haas –

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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