Weitere Abschreibung der Dresdner

Mutterkonzern Allianz erzielt dennoch den angepeilten Jahresgewinn · Aktienkurs steigt steil an

Von Herbert Fromme, Köln Die Allianz-Tochter Dresdner Bank muss überraschend im vierten Quartal 2007 weitere 900 Mio. Euro auf strukturierte Finanzprodukte in ihrem Handelsbuch abschreiben. Der Allianz-Konzern verbuchte in seinem Banksegment, das im Wesentlichen aus der Dresdner Bank besteht, einen operativen Quartalsverlust von 450 Mio. Euro. Das geht aus Eckdaten hervor, die Europas größter Versicherer gestern vorzeitig vorlegte. Details will die Allianz am 21. Februar veröffentlichen. Ergebniszahlen nach Steuern für das vierte Quartal wollte das Unternehmen nicht nennen, nur operative Daten.

Bereits im Vorquartal hatte die US-Kreditkrise die Bank mit 575 Mio. Euro belastet. Damals hatte Allianz-Finanzchef Helmut Perlet noch von einem niedrigeren Abschreibungsbedarf für das vierte Quartal gesprochen. Trotz der deutlich über diesen Erwartungen liegenden Belastung hat die Muttergesellschaft Allianz im Jahr 2007 die angekündigten 8 Mrd. Euro nach Steuern verdient, eine kräftige Steigerung gegenüber dem Nettogewinn von 7,02 Mrd. Euro im Vorjahr.

Mit der vorzeitigen Information reagierte die Allianz auf Ängste an den Märkten vor weiteren hohen Abschreibungen infolge der Subprime-Krise. Anleger waren erleichtert. Die Allianz-Aktie hatte in den vergangenen Monaten besonders stark unter Erwartungen weiterer Belastungen durch die Kapitalmarktkrise und entsprechender Gewinnwarnungen gelitten. Den Zieleinlauf bei 8 Mrd. Euro belohnte die Börse mit einem Anstieg von 11,3 Prozent auf 123,85 Euro – allerdings in einem Gesamtmarkt, der sich nach starken Kursabschlägen der Vortage deutlich erholte. Zeitweise führte das Papier den Dax an.

Trotz des Verlusts im vierten Quartal werde das Banksegment für das Gesamtjahr einen operativen Gewinn von 750 Mio. Euro vorlegen, so die Allianz. Im Vorjahr waren es 1,4 Mrd. Euro. Das erhöht den Druck auf Konzernchef Michael Diekmann, sich Gedanken über die Zukunft der Bank zu machen. Auch im siebten Jahr nach der 24 Mrd. Euro schweren Übernahme der Bank sind die erzielten Synergieeffekte nicht hoch genug, um das erhöhte Risiko aus diesem Geschäftsfeld auszugleichen. Die Allianz werde die Dresdner vorläufig behalten, sagte Analyst Konrad Becker von Merck Finck gegenüber Reuters.

Über alle Segmente kalkuliert die Allianz mit einem operativen Gewinn von 10,8 Mrd. Euro für 2007, rund 400 Mio. Euro über den 10,4 Mrd. Euro des Vorjahrs. Dass der Nettogewinn deutlich stärker als das operative Ergebnis gestiegen ist, dürfte mit vorzeitig spürbaren positiven Wirkungen der Unternehmenssteuerreform und einem geringeren Restrukturierungssaufwand zusammenhängen.

Im Kerngeschäft Schaden- und Unfallversicherungen, in dem die Allianz Autos, Gebäude, Industrieanlagen oder Haftungsrisiken abdeckt, stagnierte der Gewinn 2007. Operativ verdiente die Gruppe 6,2 Mrd. Euro, verglichen mit 6,3 Mrd. Euro im Vorjahr. Der Preisdruck machte sich hier bemerkbar. In der Lebens- und Krankenversicherung dagegen stieg der operative Gewinn von 2,6 Mrd. Euro auf 3 Mrd. Euro, im Segment Vermögensverwaltung blieb er mit 1,3 Mrd. Euro unverändert.

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Aufwärts geht es derzeit nicht bei der Dresdner Bank: Das Institut entwickelt sich immer mehr zur Belastung für den Allianz-Konzern – Bildfolio/Bert Bostelmann

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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