Kreditkrise setzt Swiss Re weiter zu

Erneute Abschreibung auf Kreditausfallprodukte nötig

Von Herbert Fromme, Köln Der Rückversicherer Swiss Re musste im ersten Quartal einen weiteren Verlust aus strukturierten Papieren verdauen. Auf Credit-Default-Swaps – Versicherungen gegen Zahlungsausfälle – schrieb das Unternehmen 819 Mio. Schweizer Franken ab. Der Gewinn schnurrte um 53 Prozent auf 624 Mio. Franken zusammen. Die Aktie brach um 4,4 Prozent auf 83,80 Franken ein.

Besonders negativ stieß Anlegern auf, dass Finanzchef George Quinn noch am 29. Februar die Belastung für das erste Quartal mit 240 Mio. Franken beziffert hatte, jetzt ist sie plötzlich fast drei Mal so hoch. „Der März war besonders schlimm“, rechtfertigte sich Quinn. Deshalb sei es zu der höheren Abschreibung gekommen. Jetzt agiert Quinn vorsichtiger: Für April kündigte er bereits gestern weitere 200 Mio. Franken Verluste an.

Bereits im November hatte Swiss Re, die Nummer zwei auf den Welt-Rückversicherungsmärkten, die Märkte überrascht und Abschreibungsbedarf von 1,2 Mrd. Franken aus der Subprime-Absicherung angemeldet. Kurz zuvor war noch von einer Belastung von wenigen Hundert Millionen Franken die Rede. Vorstand Roger Ferguson, dessen Abteilung Financial Markets die Verluste einfuhr, verließ das Unternehmen Anfang April.

Ähnlich wie die gebeutelten US-Anleiheversicherer hatte Swiss Re Kunden gegen den Ausfall von derivativen Anleihen abgesichert. In dem Geschäftsfeld sind die Rivalen der Swiss Re – Münchener Rück, Berkshire und Hannover Rück – nicht tätig. Hauptrivale aus der Assekuranz war der US-Marktführer American International Group.

Quinn betonte, es handele sich bisher nur um Buchverluste. „Es gibt keinen Markt für diese Papiere.“ Wegen fehlender Käufer verkauften deren Inhaber nur, wenn sie in großer Not sind. „Wer verkaufen muss, akzeptiert jeden Preis. Das bringt die Bewertung für alle nach unten“, sagte Quinn.

In den Kerngeschäftsfeldern sei das operative Ergebnis zufriedenstellend gewesen – trotz des Preisdrucks im Weltmarkt, sagte Quinn. Die Schaden- und Kostenquote in der Schadenrückversicherung legte zwar um 3,1 Punkte zu, war aber mit 96,9 Prozent immer noch unter 100 Prozent und so im grünen Bereich. An dem Ziel, den Gewinn pro Aktie jährlich um zehn Prozent zu steigern, halte man fest, so Quinn.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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