Versicherer jammern über Niedrigpreise

Branche ächzt zugleich unter hoher Schadenbelastung

 

Herbert Fromme , Baden-Baden

 

Die globale Rückversicherungsbranche sieht vorerst keine Chance auf steigende Prämien und damit höhere Erträge. „Wir erwarten einen leichten Preisrückgang“, sagte Jan-Oliver Thofern, Deutschlandchef des Spezialmaklers Aon Benfield, gestern beim Treffen der Branche in Baden-Baden. Swiss-Re-Europachef Martin Albers hält den Markt für „fragil“. Sorgen machen ihm vor allem niedrige Prämien in der Autoversicherung. Zugleich steige die Schadenbelastung der Rückversicherer, vor allem durch Verletzungen und Todesfälle, drastisch an. Munich-Re-Vorstand Ludger Arnoldussen erwartet maximal einen Seitwärtstrend – von der lange vom Konzern geforderten Preiserhöhung kann aber bislang keine Rede sein. Hoffnung macht der Branche allenfalls, dass 2011 in Deutschland die Prämien in der Autoversicherung steigen könnten.

 

In der Pharmahaftpflicht sowie in Teilen der sonstigen industriellen Sach- und Haftpflicht sei das Geschäft nicht auskömmlich, sagte Arnoldussen, der mit Blick auf 2011 gleichwohl Hoffnung schöpft, denn: Wegen der krisenbedingt niedrigen Leit- und Kapitalmarktzinsen steige der Druck auf den Markt, die Preissituation zu ändern. „Wenn nicht dieses Jahr, dann kommendes“, sagte Arnoldussen.

 

Aon-Mann Thofern nannte einen weiteren Grund für die niedrigen Prämien: „Es gibt ausreichend Kapital.“ Im ersten Halbjahr hätten die Rückversicherer zwar wegen hoher Belastungen aus Naturkatastrophen eine Schaden-Kosten-Quote von 100 Prozent der Beitragseinnahmen verbucht, eine deutliche Verschlechterung um 8,2 Punkte gegenüber dem ersten Halbjahr 2009. Dennoch stiegen die Vorsteuergewinne der Branche in den ersten sechs Monaten um 65 Prozent. Grund dafür waren kräftige Steigerungen bei den Kapitalerträgen – da sind Niedrigprämien leichter zu verkraften.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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