Allianz nicht mehr Automarktführer

Konzern verliert Spitzenplatz im Kernsegment // Bessere Schadenbearbeitung und neue Tarife geplant

Herbert Fromme , München

Europas größter Versicherer Allianz ist im Heimatmarkt nicht mehr der größte Autoversicherer. Ende 2010 hatte die Allianz 8,16 Millionen Fahrzeuge versichert, 300 000 weniger als ein Jahr zuvor. Der seit Jahren angreifende Rivale HUK-Coburg kam auf 8,41 Millionen.

Deutschlandchef Markus Rieß sieht dennoch einen positiven Trend für die Allianz im heiß umkämpften Kerngeschäft. „Die Abwerberunde 2010 ist für uns im Vergleich zu den Vorjahren deutlich besser gelaufen“, sagte er. So habe die Allianz das Neugeschäft deutlich gesteigert und nach einem Verlust von 168 000 Stück in der Runde 2009/2010 bei den Verträgen für 2011 nur noch 5000 Stück verloren. Die HUK-Coburg hat für 2011 90 000 Stück gewonnen.

Millionen Autofahrer wechseln ihren Versicherer jährlich. Da die meisten Verträge eine Kündigung zum 1. Januar vorsehen, gibt es im Oktober und November eine regelrechte Schlacht um neue Kunden.

Die Allianz war jahrzehntelang Marktführer. Zwar spielt der Verlust dieser Position ökonomisch keine entscheidende Rolle – wohl aber für das Selbstverständnis des Versicherungskonzerns. Deutschlandchef Rieß will deshalb die Spitzenposition auch nicht aus den Augen verlieren: „Wir erwarten, dass wir 2012 wieder ein Stückzahlwachstum erreichen.“

Einer der Hauptgründe für den Erfolg der HUK-Coburg ist deren ausgefuchste Internetstrategie. Die Tochter HUK24 versichert inzwischen 1,2 Millionen Fahrzeuge. Dem hatte die Allianz lange nichts entgegenzusetzen Ihren Onlineanbieter Allianz24 schloss sie 2009 nach Protesten der Vertreter und ersetzte ihn durch die weniger klangvolle AllSecur. Zudem richtete der Konzern auf den Webseiten der Vertreter Abschlussmöglichkeiten mit dem Schlagwort Allianz Auto Online Service (AAOS) ein. „AAOS hat 2010 einen Gesamtbestand von 110 000 Stück erreicht, nach 16 000 im Vorjahr, und AllSecur von 276 000 nach 222 000“, sagte Rieß.

Dass die Gesamtzahl trotz zusammen 386 000 Internetkunden zurückging, lag an deutlich weniger konventionellen Abschlüssen der Vertreter sowie am Firmenkundengeschäft, das etwa 30 Prozent ausmacht. Hier tritt die Allianz wegen niedriger Preise auf die Bremse.

Nach Angaben von Rieß hat zum Internet-Erfolg auch der Verkauf über Vergleichsportale wie Check24 beigetragen. Zur Provisionshöhe – Check24 berechnet 60 bis 100 Euro pro Vertrag – wollte er nichts sagen. Auch Gewinn oder Verlust in der Autoversicherung wollte er nicht nennen.

Rieß sagte, die Allianz stärke im Kampf gegen den Kundenschwund die Schadenbearbeitung. Dort habe der Konzern 150 neue Stellen geschaffen, bei insgesamt 2500 Schadenbearbeitern. „Unser Ziel ist primär, dass wir schneller werden“, sagte Vorstandsmitglied Severin Moser. „Schäden, die wir rasch erledigen, sind auch günstiger.“ Im Mai will die Gruppe mit einem neuen modularen Produktkonzept in der Autoversicherung über Vertreter auf den Markt kommen.

Rieß, der seit Juli 2010 an der Spitze der Allianz Deutschland steht, meldete für 2010 eine Steigerung der Prämieneinnahmen von 22,8 Mrd. Euro auf 24,1 Mrd. Euro. Der Gewinn wuchs von 1,01 Mrd. Euro auf 1,33 Mrd. Euro. In der langfristig profitabelsten Sparte Schaden- und Unfallversicherung (Autos, Gebäude, Unfall, Haftpflicht) ging der Beitrag um 2,4 Prozent auf 9 Mrd. Euro zurück. Die Schaden- und Kostenquote verschlechterte sich von 98,7 Prozent auf 100,8 Prozent der Beiträge, vor allem wegen Sturmschäden.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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