Krankenkasse diktiert privater Versicherung Bedingungen

AOK Rheinland/Hamburg baut neue Kooperation auf // Lukratives Geschäft fürZusatzpolicen //“ Düsseldorfer“ ändert sogar ihren Namen

Ilse Schlingensiepen , Köln

Für die exklusive Kooperation mit der Krankenkasse AOK Rheinland/Hamburg macht ein kleiner Privatkrankenversicherer (PKV) aus Düsseldorf weitreichende Zugeständnisse und ändert dafür sogar seinen Namen. Um sich das lukrative Geschäft mit Zusatzversicherungen für AOK-Mitglieder zu sichern, hat sich die „Düsseldorfer Versicherung“ in „Vigo Krankenversicherung“ umbenannt. Mit „Vigo“ bezeichnet die AOK ihre eigenen Wahltarife und andere Angebote für Versicherte.

Damit schafft sich die AOK gute Ausgangsbedingungen für den Fall, dass die gesetzlichen Kassen in der Krankenversicherung künftig mehr Handlungsoptionen bekommen. Das PKV-Unternehmen ist ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit, hat also keine Aktionäre. Das erleichtert ein enges Zusammenrücken. Zurzeit arbeiten Kassen und Versicherer unter unterschiedlichen rechtlichen Bedingungen. Sie kooperieren bei Zusatzversicherungen, aber eine gesellschaftsrechtliche Verzahnung ist nicht möglich. In einem Gutachten für die Techniker Krankenkasse (TK) sprechen sich Gesundheitsökonomen und Juristen dafür aus, die Kassen in Versicherungsvereine oder Aktiengesellschaften umzuwandeln, damit sie auf Augenhöhe mit den Privaten konkurrieren können.

Die Vigo Krankenversicherung hat traditionell enge Beziehungen zur AOK und bietet ausschließlich Zusatzpolicen an, künftig vor allem spezielle Tarife für die Versicherten der AOK Rheinland/Hamburg. Die Kasse hat ihre Verträge mit den früheren privaten Partnern DKV und UKV gekündigt. „Schon bei der Ausschreibung für die neue Kooperation haben wir den Wunsch geäußert, dass der Versicherer seinen Namen in ,Vigo‘ ändert“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kasse Wilfried Jacobs der FTD. Dadurch laufen sowohl die Tarife der AOK als auch die PKV-Policen unter demselben Namen.

Die Kasse hatte 2007 als erste ihren Versicherten eigene Zusatzpolicen angeboten und damit der PKV direkt Konkurrenz gemacht. Rund 300 000 Versicherte haben solche Tarife abgeschlossen. Auf Feldern wie den Pflegezusatzpolicen bleibe die Kooperation mit der PKV dennoch sinnvoll, sagte Jacobs.

Die Versicherten sollen aber nicht das Gefühl haben, dass sie es mit zwei völlig verschiedenen Anbietern zu tun haben. „Durch die Wahl desselben Namens entsteht ein Zusammengehörigkeitsgefühl“, sagte Jacobs. Die Erfahrung zeige: „Die Versicherten wollen Angebote aus einer Hand.“ Darin liege ein Vorteil des niederländischen Systems. In den Niederlanden ist 2006 die Trennung zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung abgeschafft worden. TK-Chef Norbert Klusen hatte in der FTD auch für Deutschland einen einheitlichen Versicherungsmarkt gefordert.

Die Schaffung eines einheitlichen Rechtsrahmens lehnte der Direktor des PKV-Verbands, Volker Leienbach, ab. „Zunächst müsste man nachweisen, dass dieses neue System besser ist als das alte“, sagte er. Das werde nicht gelingen. In den Niederlanden habe die Umstellung den Versicherten jedenfalls keine Vorteile gebracht, betonte Leienbach. „Das System ist teurer, die Wartezeiten sind länger geworden.“ Das deutsche Gesundheitssystem sei gerade wegen des dualen Systems eines der weltweit besten, sagte er.

Die Diskussion über die Zwei-Klassen-Medizin werde durch die Dualität getrieben, glaubt dagegen AOK-Chef Jacobs. Wenn es den Kassen gelänge, die Servicevorteile der Privaten durch eigene Leistungen wettzumachen, werde die PKV mittelfristig überflüssig. „Ich setze auf die Vielfalt der Gestaltungsmöglichkeiten in der gesetzlichen Krankenversicherung“, sagte Jacobs.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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