Storno-Flatrate liegt im Trend

Reiserücktrittsversicherungen für ein ganzes Jahr sichern mehrere Trips ab

Katrin Berkenkopf

Katrin Berkenkopf

Ob Scharlach beim Kind oder Beinbruch bei der Pflegerin der dementen Eltern: Immer wieder müssen Urlauber aufgrund von Erkrankungen eine geplante Reise kurzfristig absagen. Besonders bei Reisen mit Kindern oder bei sehr teuren Trips erfreuen sich Reiserücktrittsversicherungen zunehmender Beliebtheit.

Es gibt viele Gründe, warum man eine gebuchte Reise nicht antreten kann. In der Definition der Versicherer muss die Krankheit der versicherten Risikoperson vor allem unerwartet sein. Komplikationen in der Schwangerschaft sind eine solche unerwartete Erkrankung, urteilte das Amtsgericht München in einem gerade veröffentlichten Urteil. Obwohl die betroffene Frau schon schwanger war, als sie die Reise buchte, bekommt sie die Rücktrittskosten jetzt von der Versicherung erstattet.

Im Trend liegen Jahrespolicen, denn viele Menschen verreisen mehrmals im Jahr und wollen sich nicht bei jeder Buchung neu um Versicherungsschutz kümmern, sagt Cordula Walter-Bolhöfer von Dr. Walter. Die Maklerfirma hat deshalb gerade einen Vergleichsrechner für Jahrespolicen im Internet freigeschaltet. Wer abschätzen kann, wie viel er im Jahr für Reisen ausgibt, kann mit der Jahrespolice gut bedient sein.

Mit dem Schutz fürs ganze Jahr lässt sich auch ein Problem umgehen, dass sich sonst bei kurzfristigen Urlaubsbuchungen ergibt: Reiserücktrittsversicherungen lassen sich nämlich in der Regel nur bis zu 30 Tage vor Reisebeginn abschließen.

Eine Jahrespolice dagegen greift, solange der gesamte versicherte Reisepreis nicht überschritten wird. Bei einigen Anbietern lässt sich der Reisepreis im Nachhinein noch erhöhen, wenn sich herausstellt, dass das Budget für den Urlaub höher ausfällt als gedacht, informiert Walter-Bolhöfer.

Das Dickicht der unterschiedlichen Prämien und Versicherungsbedingungen können Laien kaum durchschauen, sagt sie. Besserung verspreche aber auch hier der Vormarsch des Internets in diesem Bereich. Immer mehr Policen werden online ausgesucht und abgeschlossen. „Am Ende wird es so sein, dass sich dadurch auch die Prämien angleichen“, meint Walter-Bolhöfer.

Die Stiftung Warentest schaut sich regelmäßig die Angebote für Reiserücktrittsversicherungen an und findet noch immer große Unterschiede. „Man sollte auf jeden Fall vergleichen, denn da gibt es eine große Preisspanne“, bestätigt Simone Weidner von der Stiftung.

Urlauber können auch ungewöhnlichere Stornierungsgründe absichern: beispielsweise eine schwere Erkrankung des geliebten Haustiers. Und auch für den Fall, dass eine Beziehung den Anfang der gemeinsam gebuchten Reise nicht mehr erlebt, kann man sich gegen die Rücktrittskosten versichern. Solche Policen sind aber deutlich teurer als der Standard.

Von Versicherungen, die etwa bei der Nutzung von Kreditkarten inklusive sind, hält die Stiftung Warentest nicht viel. Der Versicherungsschutz sei zu eingeschränkt, sagt Weidner.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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