Der Anbieter zählt, nicht das Produkt

Die Allianz Lebensversicherung geht einer Untersuchung zufolge am besten mitKundengeldern um

Jonas Tauber

Jonas Tauber

Wer eine Lebensversicherung abschließen will, zieht dazu meistens Produktvergleiche heran – gleichartige Tarife werden gegenübergestellt, Leistungen von Abschlüssen aus der Vergangenheit miteinander verglichen und Prognosen bewertet.

Der Ludwigshafener Betriebswirtschaftsprofessor Hermann Weinmann wendet eine andere Verfahrensweise an. Er vergleicht den betriebswirtschaftlichen Erfolg der zwölf beitragsstärksten Lebensversicherer und fragt, in welchem Ausmaß die Kunden am Ergebnis beteiligt werden. Um potenziellen Versicherten den Zugang zu dem Vergleich zu erleichtern, fasst Weinmann das ganze in einer Schulnote zusammen.

Weinmanns Methode ist nicht unumstritten. Er selbst hatte in einer früheren Analyse die Allianz zwar wegen ihrer guten wirtschaftlichen Leistung gelobt – aber das Ausschüttungsverhalten gegenüber den Kunden scharf gerügt. Der Konzern wehrte sich öffentlich gegen Weinmanns Methode.

Mit der neuesten Analyse dürfte der Marktführer zufrieden sein. In dem Vergleich hat die Allianz Leben für 2011 die Nase vorn. Auch im Drei-Jahres-Vergleich schneidet das Unternehmen am besten ab.

„Erst auf der Basis einer Unternehmensauswahl macht die Wahl der Produkte Sinn“, sagt Weinmann. „Eine Produktauswahl ohne Anbieterprüfung kann nicht empfohlen werden.“ Der Grund: Wegen „Produkt-Gimmicks“ sei ein Vergleich wenig sinnvoll, die Leistungskraft der Unternehmen werde oft vernebelt.

Weinmann misst die betriebswirtschaftliche Leistung nicht nur rückblickend anhand von Geschäftsergebnissen, sondern bezieht auch Zukunftsindikatoren mit ein. Dazu gehören etwa die Bewertungsreserven – die Differenz zwischen Marktwert und Buchwert von Wertpapieren in den Kapitalanlagen – und der von ihm selbst definierte Überschussreservefaktor. Das sind Mittel, die den Kunden zustehen, aber nicht unmittelbar über die normale Verzinsung gutgeschrieben werden.

Weinmanns Kriterien umfassen damit nicht nur die ökonomischen Erfolge der Unternehmen, sondern auch die Bereitschaft des Managements, die Kunden daran zu beteiligen – und das Potenzial für künftige Gewinne.

Für das Geschäftsjahr 2011 hat Weinmann mit seinem Modell eine Topvierergruppe ermittelt: Allianz Leben, Bayern-Versicherung, R+V Leben und Debeka Leben. Diese vier führen auch im Drei-Jahres-Überblick, wenn auch mit leicht veränderter Reihenfolge (siehe Tabelle). Insgesamt hat Weinman einmal „sehr gut“ vergeben, zweimal „gut“, fünfmal „befriedigend“ und dreimal „ausreichend“. Die Note „mangelhaft“ habe nicht vergeben werden müssen.

Die Allianz sei erneut Klassenbester. „Positiv überrascht hat 2011 die Bayern-Versicherung auf Platz zwei, die knapp die Note 1,3 verfehlte und ebenfalls wie die Allianz-Lebensversicherung einen Wechsel im Vorstandsvorsitz hinter sich hat“, sagt Weinmann. Nachholbedarf bei betriebswirtschaftlicher Effizienz hätten insbesondere die Anbieter, die nur mit „ausreichend“ bewertet wurden. Das sind Ergo Leben, Generali Leben und Aachen-Münchener Leben.

Betriebswirtschaftsprofessor Weinmann hält das Modell Lebensversicherung für sehr lebendig. „Die Lebensversicherung ist nicht am Ende“, sagt er. Erfolgreiche Anbieter werden sich seiner Ansicht nach durch Disziplin im Verwaltungs- und Vertriebskostenmanagement sowie Erfolge in der Kapitalanlage auszeichnen.

Quelle: Financial Times Deutschland


Kategorien: Archiv 2006-2012

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