Lebensversicherer senken Überschussbeteiligung deutlich

Marktführer Allianz Leben hat die Marschroute vorgegeben. Experten erwarten, dass die Branche 2013 Kunden im Schnitt eine laufende Verzinsung von 3,6 Prozent gewährt. Das sind 0,3 Prozentpunkte weniger als in diesem Jahr.

Kunden mit einer Kapitallebens- oder privaten Rentenversicherung müssen sich auf eine weiter sinkende Gewinnbeteiligung einstellen. Die laufende Verzinsung wird 2013 im Branchenschnitt bei rund 3,60 Prozent liegen, nach 3,91 Prozent im Jahr 2012, erwartet Lars Heermann, Bereichleiter Lebensversicherung bei der Kölner Rating-Agentur Assekurata. „Haupttreiber sind die niedrigen Zinsen“, sagt er. Anzeichen für eine Trendwende hin zu höheren Zinsen an den Kapitalmärkten seien bislang nicht zu beobachten.

Die Lebensversicherer legen jedes Jahr im Herbst die Höhe der Gewinnbeteiligung für die Kunden für das kommende Jahr fest. Sie orientieren sich dabei an der Entwicklung der Kapitalmärkte. Marktführer Allianz Lebensversicherung hat die laufende Verzinsung für Kunden mit einer Kapitallebens- oder Rentenversicherung von 4 Prozent im Jahr 2012 auf 3,6 Prozent für 2013 herab gesetzt. „Das war eine überraschend deutliche Senkung“, sagt Heermann. „Das wird Signalwirkung für den Markt haben.“ Einschließlich Schlussüberschuss und Beteiligung an den stillen Reserven schreibt die Allianz Leben ihren Kunden insgesamt 4,2 Prozent gut.

Auch andere haben bereits eine Herabsetzung angekündigt. Die Alte Leipziger hat die laufende Verzinsung um 0,5 Prozentpunkte auf 3,35 Prozent gesenkt. Die Ergo Leben hat die laufende Verzinsung sogar um 0,6 Prozentpunkte auf 3,2 Prozent, die Victoria Leben um 0,5 Prozentpunkte auf 3 Prozent gedrosselt. „Bei der Altersvorsorge zählt nachhaltige Sicherheit mehr als kurzfristige Renditeversprechen“, begründete Ergo den Schritt.

Dagegen hat die DEVK die Verzinsung nur leicht gesenkt. Sie hat die laufende Überschussbeteiligung von 4,1 Prozent auf 4,0 Prozent gedrückt. Der Berliner Versicherer Ideal ist bei 4 Prozent geblieben. Ebenfalls keine Absenkung vorgenommen hat „die Bayrische“, bislang im Markt bekannt als Bayrische Beamten Versicherung. Ihre Überschussbeteiligung liegt allerdings bereits bei 3,8 Prozent. Die Kölner Rating-Agentur Assekurata veröffentlicht auf ihrer Internet-Seite eine Tabelle mit den aktuellen Werten der Lebensversicherer.

Für die Vertriebe ist die Überschussbeteiligung ein wichtiges Verkaufsargument – zumindest, wenn sie über der Gewinnbeteiligung der Wettbewerber liegt. Kunden sollten diese Größe allerdings mit Vorsicht genießen. Ein Lebensversicherer mit einer niedrigeren Überschussbeteiligung kann dem Kunden durchaus mehr Geld gutschreiben als einer mit einer höheren. Denn die Unternehmen verzinsen nie den gesamten Beitrag, den der Kunde zahlt. Sie ziehen von der Prämie Kosten zum Beispiel für die Vermittlung und die Verwaltung ab.

Die magere Überschussbeteiligung sollte für Kunden kein Grund für eine Kündigung sein, erst recht nicht bei älteren Verträgen mit einem hohen Garantiezins, sagt Assekurata-Experte Heermann. „Abgesehen von den hohen mit einer Kündigung verbundenen Kosten ist die Frage: Was ist die Alternative?“ Den niedrigen Zinsen entkommen Kunden bei anderen Anlageformen auch nicht. „Die Lebensversicherung ist ein langfristiges Geschäft“, sagt er. Ist das Zinstal durchschritten, wird die Überschussbeteiligung wieder steigen.

Die deutschen Lebensversicherer haben fast 90 Prozent ihrer Kapitalanlagen in festverzinsliche Papiere investiert. Erwirtschaften sie damit niedrige Kapitalerträge, fallen die Ausschüttungen an die Kunden. Und das ist nicht das einzige Problem für die Branche: Um zu gewährleisten, dass die Unternehmen ihre langfristigen Garantieversprechen auch bedienen können, müssen die Versicherer zusätzliche Rückstellungen bilden, die so genannte Zinszusatzreserve. Teil der Überschussbeteiligung ist die garantierte Verzinsung, die beim Abschluss vereinbart wird und für die gesamte Laufzeit gilt. Bei älteren Verträgen liegt sie bei bis zu 4 Prozent. Haben Kunden einen Vertrag mit einer so hohen Garantieverzinsung, muss der Versicherer sie ihnen auch gewähren. Damit sie das auch bei anhaltend niedrigen Zinsen können, müssen die Unternehmen die Zinszusatzreserve bilden. Die Branche hat dafür 2011 Rücklagen in Höhe von 1, 5 Mrd. Euro gebildet, im Jahr 2012 kommen weitere 5 Mrd. Euro dazu.

Quelle: Capital.de

 

 


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