Insurninja: Übersetzer für die Gaming-Industrie

Der Kölner Assekuradeur Insurninja ist Anfang des Jahres mit seiner ersten Police auf den Markt gekommen, einem Schutz für Gaming-Equipment. Das Insurtech will als Assekuradeur Policen speziell für Gamer und E-Sportler entwickeln. Gründer und Geschäftsführer Niklas Ex erklärt im Interview mit dem Versicherungsmonitor, warum der Markt für Versicherer interessant ist. Er räumt aber auch ein, dass der Einstieg nicht einfach ist. Insurninja will deshalb als Übersetzer zwischen Assekuranz und Gaming-Welt fungieren.

Niklas Ex, hier sein Profilbild von der Webseite, ist einer der Gründer des Inurtechs Insurninja, das Policen für Gamer vertreibt

© Screenshot/Insurninja

Herr Ex, Sie sind gerade mit einer Hardwarepolice für Gaming-Equipment wie Computer und Joysticks gestartet. Warum sind Sie mit dieser Police eingestiegen?

Ex: Gerätepolicen gibt es schon, da musste nur ein bisschen angepasst werden, sodass die Police für die Zielgruppe passt. Das ist aber nur das erste Produkt. Wir arbeiten schon am Thema der virtuellen Güter. Da braucht die Entwicklung mehr Zeit.

Sie sagten, Sie wollen auch Policen für virtuelle Gegenstände anbieten. Wie soll das konkret aussehen?

Es geht um eine Police, die sich um die ganze virtuelle Welt dreht. Sie soll virtuelle Gegenstände, Steam-Accounts und Charaktere als Ganzes abdecken. Bei den Steam-Accounts liegen zum Beispiel Guthaben und Counterstrike-Items, die einen relativ hohen Wert haben können – bis zu mehreren tausend Euro. Charaktere werden über Jahre oder Jahrzehnte entwickelt. Da ist dann auch die emotionale Bindung wichtig.

Bei vielen Online-Spielen werden Gegenstände nicht im Spiel selbst, sondern in separaten Accounts gespeichert, einer davon ist der Steam-Account.

Counterstrike ist ein Teamplayer-Spiel, bei dem die Teilnehmer versuchen, Terrorattacken zu verhindern. Spieler rüsten ihre Charaktere mit sogenannten Skins auf, dazu gehören unter anderem Waffen und Schutzkleidung.

Wie bestimmen Sie den Wert dieser Items?

Das ist immer die Frage, welchen Wert man nimmt, ob den tatsächlichen monetären oder den emotionalen Wert. Letztendlich ist es so, wenn sie ein Item kaufen, dann hat das einen Preis und demnach auch einen Wert. Wenn es aber um sehr seltene und sehr teure Gegenstände geht, funktioniert es eher wie in der Kunstversicherung mit Einzelpolicen. Wir sind da momentan noch in der Entwicklung, deswegen kann ich da noch nicht viel sagen. Aber wir glauben, ein gutes Konzept zu haben.

Wer ist Ihr Versicherungspartner bei der Hardwarepolice?

Das ist Wertgarantie.

Wird Wertgarantie auch die Deckung für die virtuellen Güte übernehmen?

Nein, das wird ein anderer Versicherer sein. Da sind wir aber noch in Gesprächen und können keine Namen nennen.

Wie sind Sie dazu gekommen, in den Gaming- und E-Sports-Bereich einzusteigen?

Mein Mitgründer Tim ist jetzt schon seit über 30 Jahren Gamer. Ich bin auch Gamer und habe Versicherung von der Pike auf gelernt. Getroffen haben wir uns dann bei Nexible. Tim war dort für Marke und Branding verantwortlich, und ich habe das Produktmanagement verantwortet. So hatten wir relativ viele Berührungspunkte und haben überlegt, wie wir Versicherungsprodukte anfassbarer und verständlicher machen können. Wir haben uns gut verstanden und natürlich auch sehr stark über unsere Gaming-Leidenschaft verbunden gefühlt.

Was hat den Ausschlag gegeben, dass Sie sich selbstständig machen und auf E-Sports- und Gaming-Policen spezialisieren?

Wir waren vergangenes Jahr auf der ESLOne in der Kölner Lanxess Arena, das ist das große Finale von Counterstrike in Deutschland. Die Arena war komplett ausverkauft, und da haben wir gesagt: Jetzt ist die richtige Zeit, etwas zu machen.

Die beiden Insurninja-Gründer Tim Schlawinsky und Niklas Ex stellen sich auf der Webseite mit einer Art Avatar vor.

Tim, 41, spielt am liebsten sogenannte Egoshooter-Spiele, bei denen der Player aus der Ich-Perspektive agiert, wie zum Beispiel bei Counterstrike. Früher hat er auch viel World of Warcraft gespielt.

Niklas, 29, bevorzugt Rollenspiele und Openworld-Spiele, wie Redemption 2 und Final Fantasy. „Ich bin nicht der Egoshooter-Typ, dafür bin ich zu schlecht, dann macht das einfach keinen Spaß“, sagte er.

Und dann haben Sie Insurninja gegründet?

Wir haben angefangen, uns mit Versicherungen für Gamer und Hardware zu beschäftigen und haben festgestellt, dass spezielle Gaming-Policen nicht aus der Assekuranz kommen können. Das muss aus der Gamer-Community heraus passieren. So haben wir uns entschieden, Insurninja zu gründen. Das war Anfang 2018. Seitdem sind wir Vollzeit damit beschäftigt.

Warum kann so ein Produkt nicht aus der Versicherungswirtschaft kommen?

Vielleicht habe ich mich nicht ganz klar ausgedrückt: Das Produkt selber, im Sinne des versicherungstechnischen Produkts, muss natürlich von einem Aktuar gemacht werden, schon rein rechtlich. Aber damit das Produkt als Ganzes, inklusive der Kommunikation und Besonderheiten für das Gaming, vernünftig umgesetzt wird und Erfolg hat, muss man sich auch selbst als Gamer verstehen.

Warum haben Sie nicht einen eigenen Versicherer gegründet?

Dafür gibt es zwei Gründe: Da ist einmal die Zeit. Die Gaming-Branche ist sehr schnelllebig, da sind die zwei Jahre, die man braucht, um einen Versicherer aufzusetzen, einfach zu lang. Und das andere Thema ist der Eigenkapitalbedarf. Für zwei Personen, zwei Gründer, ist es nicht so leicht, den zu erfüllen.

Haben Sie Investorengelder eingesammelt?

Aktuell haben wir noch Co-Founder mit an Bord, die sich zu Beginn mit eingebracht haben, also sogenannte Business-Angels. Wir sind aber auch in Investorengesprächen – wie sich das für ein Start-up gehört.

Was ist besonders an der Gaming-Branche?

Gamer streben nach Individualität, wollen sich differenzieren. Sie wollen nicht All-in-One-Produkte, bei denen alle Risiken gebündelt werden ohne den individuellen Bedarf zu beachten.

Aber damit haben Versicherer ja auch Erfahrung. Warum braucht es einen speziellen Assekuradeur für den Gaming-Markt?

Wir verstehen uns als Vermittler im engsten Sinne des Wortes, oder vielmehr als Übersetzer. Wir übersetzen von Versicherer in die Gaming-Branche und zurück. Es ist schwierig, als Versicherer einfach so in die Gaming-Branche reinzurücken, weil die Expertise fehlt. Wir dagegen sind selber Gamer, haben aber auch die Versicherungsexpertise, sodass wir ein sehr guter Link zwischen diesen beiden Welten sind.

Mit sogenannten Konzeptkarten wollen die beiden Gründer herausfinden, welche Policen in der Gaming-Community gefragt sind. Kunden können abstimmen und Kommentare zu den einzelnen Policen hinterlassen

Screenshot/Insurninja

Was ist schwierig an der Gaming-Branche?

Die E-Sports-Branche hat in den vergangenen Jahren sehr viel Geld bekommen. Die Professionalität in der Branche hat da aber nicht mitgezogen. Es gibt keine wirkliche Vereinsstruktur im E-Sport, wie wir das vom Fußball kennen. Es haben sich sehr viele kleine Teams, die Clans, gegründet. Sie sind als Verein oder Gesellschaft mit beschränkter Haftung organisiert. Der Vorsitzende macht das meistens in seiner Freizeit. Viele der Clan-Leader haben aber noch nie ein Unternehmen geführt und sind sich des Risikos nicht bewusst. Aber selbst wenn, ist es schwierig, den richtigen Versicherungsschutz zu finden, weil Makler sich mit der Gaming-Branche häufig nicht auskennen.

Warum kann so ein Team nicht eine normale Vereinspolice abschließen?

Das könnte das Team natürlich machen, und das würde in vielen Punkten auch passen. Die Haftpflicht richtet sich nicht danach, ob es ein Handballverein oder ein E-Sport-Verein ist. Es gibt aber Verschiebungen in den Risiken. Es ist zum Beispiel wahrscheinlicher, sich beim Handball den Arm zu brechen als beim League-of-Legend-Spielen.

Warum ist die Gaming-Branche interessant für Versicherer, oder sollte es sein?

Die Gaming-Branche ist von Digital Natives geprägt, also jungen Menschen, die in der digitalen Welt aufgewachsen sind. Es ist ein Markt, von dem andere Märkte sehr viel lernen können, was die Themen Kundenerfahrung, Umgang mit Kunden und Design angeht. Dort werden die Standards gesetzt.

Wie ist die Resonanz in der Assekuranz?

Bei den etablierten Versicherern ist es ganz unterschiedlich. Wir haben mit vielen gesprochen. In die Gaming und E-Sport-Branche einzusteigen und dort erfolgreich zu sein, heißt, manchmal von gewohnten Wegen abzugehen. Da fallen die ersten dann auch schon raus. Das ist aber auch völlig okay, es muss nicht jeder in den E-Sports-Bereich einsteigen. Wir haben uns letztendlich für gewisse Anbieter entschieden und sie sich auch für uns. Dann klappt das in der Regel ganz gut.

Ist Deutschland der richtige Markt? Wären die USA oder ein asiatisches Land, das Gaming-affiner ist, nicht besser?

Deutschland ist der fünftgrößte Gaming-Markt. Wenn wir uns Europa anschauen, also die EU plus Schweiz, haben wir einen sehr großen Markt, der wertetechnisch von Amerika und vor allem von Asien nicht mehr weit weg ist. Aber auch in Deutschland gehen wir davon aus, dass sich das lohnen wird.

Interview: Nina Nöthling

Eindrücke von der ESLOne in der Kölner Lanxess Arena 2017:

In diesem Jahr findet das Turnier vom 5. Juli bis 7. Juli 2019 statt.

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