Industrieversicherer unter Druck

 Themenschwerpunkt Industrieversicherung  Die Industrieversicherer stehen vor großen Veränderungen: Die Digitalisierung, der harte Wettbewerb und hohe versicherungstechnische Verluste in wichtigen Sparten zwingen sie, das Geschäftsmodell zu ändern. Auch ihre Kunden verlangen, dass sich die Versicherer an die geänderten Bedürfnisse der großen Konzerne anpassen. Große Firmen arbeiten inzwischen in vielen Bereichen komplett digital, von ihren Versicherern fordern sie das gleiche. Die Versicherer müssen mitziehen, ihre IT modernisieren, den Abschlussprozess beschleunigen und Plattformen aufbauen. Diese Themen bieten genug Diskussionsstoff für Kunden, Makler und Versicherer. Der Versicherungsmonitor hat Branchenexperten zum Roundtable-Gespräch eingeladen. Das aktuelle gedruckte Dossier, das jetzt erschienen ist, gibt die Diskussion der Manager genau wider. Der Versicherungsmonitor veröffentlicht dazu einen Themenschwerpunkt.

Themenschwerpunkt Industrieversicherung – exklusiv im Versicherungsmonitor

© Christoph Reichwein/ dpa

Die Industrieversicherer müssen sich etwas einfallen lassen, wenn sie bei ihren Kunden auch in Zukunft noch relevant sein wollen. Das findet zumindest Alexander Mahnke, Versicherungschef beim Siemens-Konzern und Vorsitzender des Gesamtverbands der versicherungsnehmenden Wirtschaft (GVNW). „Da geht es um die Überschriften Digitalisierung, neue Technologien, höherer Grad an Automatisierung, Effizienz, vor allen Dingen aber Transparenz“, sagte er bei der ersten Roundtable-Diskussion des Versicherungsmonitors zum Thema Industrieversicherung. „In aller Brutalität muss man es so formulieren: Wenn bei uns im Unternehmen die Industrieversicherung nicht für wertvoll gehalten wird, dann brauchen wir sie nicht.“

An der Diskussion teilgenommen haben Robert von Bennigsen, Partner der BDJ-Gruppe und geschäftsführender Gesellschafter der BDJ-Versicherungsmakler GmbH, Andreas Berger, Chef des Industrieversicherers Swiss Re Corporate Solutions, Alexander Mahnke, Siemens und GVNW, Hans-Jörg Mauthe, Chef für Deutschland, Zentral- und Osteuropa beim Industrieversicherer AGCS, Thomas Olaynig, inzwischen Geschäftsführer beim Großmakler Marsh sowie Michael Seidl, Spartenleiter Haftpflicht bei DMW Assekuranz und Risikomanagement, dem Inhousebroker des bayerischen Automobilzulieferers Dräxlmaier. Moderiert wurde die Veranstaltung von Versicherungsmonitor-Herausgeber Herbert Fromme und Redakteurin Anna Gentrup.

Wenn Versicherer nicht den geforderten Mehrwert bieten, könnten vor allem große Konzerne in vielen Fällen Schäden in die eigene Bilanz nehmen, so Mahnke. „Wenn es bei uns irgendwo brennt oder wir einem Anspruch ausgesetzt sind – die Höhe spielt jetzt nicht die herausragende Rolle – dann ist es im Regelfall für den Konzern nicht beträchtlich“, sagte er. Versicherung könne aber im Einzelfall einen positiven Bilanzeffekt haben, etwa bei einem Schaden im Ausland, wo die örtlichen Bilanzen nicht so hoch sind.

Das Spartendenken wird aufhören

Dennoch glaubt der Manager, dass es in zehn Jahren noch Industrieversicherung geben wird. Gerade für weniger große Firmen sei Versicherung ein wichtiges Mittel für den Bilanzschutz. Versicherungseinkäufer Seidl stimmte ihm zu. Die Firma hat rund 70.000 Beschäftigte, dennoch sieht Seidl sich nicht als Vertreter eines Großunternehmens. Für ihn ist Versicherung trotz der Veränderungen weiterhin ein Weg des Risikotransfers. „Für Unternehmen unserer Größenordnung ist Versicherung tatsächlich eine Notwendigkeit“, sagt er. „Wir sind natürlich nicht in der Größenordnung, dass wir einen größeren Schaden so schnell aus dem Cashflow wegstecken wie eine Siemens-Gruppe.“ Auch bei Firmenkrediten spiele Versicherung nach wie vor eine wichtige Rolle. „Da geht es um Sicherheiten, die wir liefern können, denn auch wir brauchen manchmal Geld von Banken.“

Für AGCS-Mann Mauthe ist das keine neue Diskussion. „Ich habe 1990 angefangen. Diese Frage gehörte zu den ersten, über die ich mit Kollegen diskutiert habe“, sagte er. „Macht das alles überhaupt Sinn, oder ist es nur ein Geldwechselgeschäft?“ Er sieht auf seine Branche eine andere Entwicklung zukommen: „Ich glaube, wir werden in vielerlei Hinsicht auch das Spartenkonzept ein Stück weit auflösen.“ Bislang seien die Sparten starr voneinander getrennt. „Aber wir sehen bei Cyber, dass sich das Konzept ändert.“ In der Cyberversicherung sind viele Bereiche der klassischen Versicherung betroffen, zum Beispiel Betriebsunterbrechung, Reputation oder Managerhaftpflicht.

Nach Ansicht von Mauthe wird die Industrieversicherung der Zukunft traditionelle Risikomodelle mit alternativem Risikotransfer kombinieren. Und: „Wir werden viel mehr mit Daten arbeiten. Wer das am besten kann, wird am besten aus dem Umbruch hervorgehen“, prognostiziert er.

Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre!

Lange haben sich die Industrieversicherer gegen die Digitalisierung gewehrt. Das ändert sich gerade. Darüber waren sich die Experten auf dem ersten Roundtable-Gespräch des Versicherungsmonitors einig. Wir haben das Gespräch für Sie dokumentiert und in dem aktuellen gedruckten Dossier „Industrieversicherung: Das Expertengespräch“ veröffentlicht.

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