Großumbau bei Parion nach dem Weggang des Vorstandschefs

Von Herbert Fromme, Köln Die Führungsspitze des Parion-Versicherungskonzerns wird nach dem Weggang des Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Peiner noch weitreichender umgebaut als bisher angenommen. CDU-Mitglied Peiner ist seit Mittwoch Finanzsenator in Hamburg.

Neuer Chef der Parion-Gruppe, die künftig vor allem unter dem Markennamen Gothaer auftritt, wird nach Informationen der Financial Times Deutschland der 44-jährige Werner Görg, der bei dem Unternehmen bisher für die Schaden-und Unfallversicherung zuständig war.

Peiners Stellvertreter Hans Löffler, 52, der gleichzeitig Vorstandsvorsitzender des Krankenversicherers Berlin-Kölnische ist, soll das Unternehmen ebenfalls verlassen. Löffler hatte als Chef der Berlin-Kölnischen-Gruppe 1996 die Fusion mit der Gothaer-Gruppe zum Parion-Konzern mit in die Wege geleitet. Ihm wird Konzeptionslosigkeit im Personalressort, das er verantwortet, sowie die wirtschaftlich schlechte Lage des Krankenversicherers angelastet. Über Löfflers Abberufung aus den Vorständen der Gruppe soll der Aufsichtsrat noch in diesem Monat beschließen.

Als neuer Chef des Krankenversicherers ist Karl-Josef Bierth im Gespräch, bisher Vorstandsmitglied der Berlin-Kölnischen. Der Bereich Lebensversicherung und Asset Management soll weiter von Reinhard Blei geleitet werden.

Löffler wird intern vorgeworfen, dass er die aus der Umstrukturierung der Gruppe stammenden Personalprobleme nicht in den Griff bekommen hat. Zudem konnte er die Berlin-Kölnische Krankenversicherung nicht aus der Krise führen. Seit Jahren verliert das Unternehmen Geschäft; Ende 2000 hatte es noch 130 000 Versicherte mit Vollkostenschutz. Mit heftigen Preiserhöhungen sorgt die Berlin-Kölnische zur Zeit für Unruhe bei Kunden und Vermittlern.

Mit 7,7 Mrd. DM Prämieneinnahmen im Jahr 2000 ist die Parion-Gruppe einer der zehn größten Versicherer in Deutschland. Sie könnte von der für die nächsten Jahre erwarteten Konzentration im deutschen Versicherungsmarkt besonders profitieren, denn die Gruppe hat gerade eine weitreichende und intelligente Umstrukturierung hinter sich. Das macht den Zusammenschluss mit anderen Versicherern – gleich welcher Rechtsform – einfach und erlaubt die Übernahme oder Aufnahme von weiteren Versicherungsvereinen.

An der Spitze der Gruppe steht jetzt ein einziger Gegenseitigkeitsverein – die Gothaer Versicherungsbank VVaG, die trotz ihres Namens keine Bank, sondern ein Versicherer ist. Die anderen Versicherungsvereine des Konzerns wurden auf die Versicherungsbank fusioniert.

Sie bietet den Mitgliedern vor allem einen Schutzbriefdeckung an. Die eigentliche Funktion: Der Verein hält die Mehrheit an der Parion Finanzholding, die wiederum 100 Prozent der vier operativen Versicherungstöchter besitzt. Mit dieser Konstruktion kann die Parion sowohl den Kapitalmarkt nutzen – also zum Beispiel mit einem Teil der Holding an die Börse gehen – als auch andere Vereine andocken lassen. Entsprechend groß ist das Interesse in der Branche an dem Modell.

Quelle: Financial Times Deutschland


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