Enron-Banken wollen Auskunft an Versicherer blockieren

Von Andrew Hill, New York, und Herbert Fromme, Köln Die US-Bank JP Morgan Chase hat beim Konkursgericht New York Süd beantragt, neun Versicherern die von ihnen geforderten Auskünfte über Lieferverträge des bankrotten Energiehändlers Enron zu verweigern. Damit geht der bizarre Streit zwischen den Versicherern, darunter St. Paul, Chubb, Kemper und die Allianz-Tochter Fireman’s Fund, und den Banken um insgesamt 1,1 Mrd. $ in eine neue Runde. JP Morgan, die davon 965 Mio. $ beansprucht, befürchtet eine Stärkung der Versicherer-Position durch die Auskünfte.

Die Kredit-und Kautionsversicherer deckten Enrons Lieferanten und Abnehmer gegen den Ausfall von Zahlungen oder Lieferungen. JP Morgan, von der Enron-Pleite mit 2,6 Mrd. $ betroffen, verlangt von den neun Versicherern die Zahlung der 965 Mio. $ an die Mahonia und Mahonia Natural Gas, die beide auf der Kanalinsel Jersey ihren Sitz haben und das Geld wiederum der Bank schulden.

Enron gab den beiden Unternehmen die Zusage, Öl und Gas zu bestimmten Daten und Preisen zu liefern, kann aber wegen seines Konkurses die Zusagen nicht einhalten, so die Bank. Dieses Risiko sei versichert worden. Die Versicherer weigern sich zu zahlen – es habe sich nicht um echte Lieferverträge gehandelt. „Mahonia wollte in Wirklichkeit nie Öl oder Gas von Enron beziehen“, argumentiert die St. Paul in einem Schriftsatz für das Gericht. Es habe sich um Scheingeschäfte gehandelt, um Kredite der JP Morgan Chase an Enron abzusichern.

Versicherer und Pensionsfonds gehören zu den großen Verlierern der Enron-Pleite. Nach Analystenschätzungen ist allein die Assekuranz mit mindestens 3 Mrd. $ betroffen. Davon entfallen mehr als 1 Mrd. $ auf Lebensversicherer, die Enron-Aktien und Anleihen halten. Auch Pensionsfonds sind geschädigt – so der Fonds der Enron-Mitarbeiter, die neben den Arbeitsplätzen auch 850 Mio. $ an Altersvorsorge-Anlagen verlieren.

Wie üblich, sind die Enron-Kreditrisiken rückversichert. Alle großen Rückversicherer wie Münchener Rück, Swiss Re, General Cologne Re, Employers Re und Hannover Rück sind mit im Boot, wobei die Swiss Re mit 284 Mio. Franken Schaden – auch aus Kapitalanlagen – deutlich stärker exponiert ist als die Konkurrenz.

Unabhängig von den Versicherern erklärte die WestLB, sie werde die aus einem Akkreditiv fälligen 165 Mio. $ an Mahonia nur zahlen, wenn das Unternehmen nachweisen könne, „dass die zugrunde liegenden Transaktionen in jeder Hinsicht einwandfrei waren“. Die Mahonia-Unternehmen gehören einer Stiftung, werden aber in Vertragsdokumenten als „Energieabteilung der Chase Manhattan Bank“ bezeichnet.

Zitat:

„Es handelte sich nur um Scheingeschäfte“ – Versicherer-Schriftsatz.

Quelle: Financial Times Deutschland


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