Allianz-Tochter AAM sorgt für Ärger

Von Herbert Fromme, Köln Mit Änderungen in der Risikoanalyse und verbesserter Kommunikation innerhalb des Konzerns reagiert die Allianz auf zunehmende Unzufriedenheit bei den Konzerngesellschaften über die Leistungen der Allianz Asset Management GmbH (AAM). Sie betreibt das Anlagegeschäft für Dritte, vor allem aber für Allianz Leben, Allianz Versicherung und andere Konzerngesellschaften. Mit den Änderungen werden nach unternehmensnahen Kreisen die Informationszeiten verkürzt und die Reaktionen auf Entwicklungen bei Unternehmen, bei denen die Allianz hoch investiert, substanziell verbessert. Die Allianz wollte nicht Stellung nehmen.

Die operativen Versicherer werfen der AAM vor, bei Aktienanlagen schlechter als der Marktdurchschnitt zu arbeiten und über größere Entwicklungen zu spät zu berichten. Auch bei institutionellen Investoren außerhalb der Allianz-Gruppe gibt es Unzufriedenheit. Die von der AAM erwirtschafteten unterdurchschnittlichen Aktienerträge führten zur Abwanderung von Großkunden. „Bei mehreren Anlegern zahlte die AAM sogar freiwillig Ersatz für Verluste“, so ein Insider.

Zu Auseinandersetzungen zwischen Allianz-Versicherern und AAM kam es in den letzten Monaten wegen der Pleite des US-Unternehmens Winstar Communications. Der Zusammenbruch des technischen Internetdienstleisters im April 2001 kostete die Allianz-Gruppe mehr als 230 Mio. Euro, das meiste davon Gelder von Anlegern und Kunden, zum Beispiel in der Lebensversicherung.

In dem von der AAM aufgestellten Global Master Portfolio für die Allianz-Gruppe hatten die hoch spekulativen Winstar-Aktien ein Gewicht von 1,2 Prozent. An diesem Portfolio orientierten sich mehrere Spezialfonds für die operativen Versicherer, aber auch für institutionelle Anleger.

Auf besondere Erbitterung bei den Anlegern in den Versicherungsunternehmen stieß die Informationspolitik der AAM. „Die Versicherer erfuhren von der negativen Entwicklung erst auf Umwegen im Juli“, so ein erboster Manager. Dabei taktierten die AAM-Manager. „Sogar als von unserer Seite nach Gründen für die relativ zu vergleichbaren Fonds erheblich schlechtere Performance des VAE-Fonds gefragt wurde, suchte man bei AAM nach anderen Erklärungen, anstatt die Konsequenzen des Winstar-Engagements offen zu legen“, so ein weiterer Manager. VAE ist ein Spezialfonds der Allianz Versicherung mit einem Anlagevermögen (Net Asset Value) von 148,6 Mio. Euro. Innerhalb eines Jahres hat dieser Fonds 20,6 Prozent an Wert verloren. Angesichts der schwachen Aktienmärkte ist ein Rückgang kein Wunder. Der VAE-Fonds verlief aber um 6,09 Prozentpunkte schlechter als vergleichbare Fonds im Markt, geht aus einem internen Vergleich hervor, bei dem die AAM ihre Fonds entsprechenden Benchmarks gegenüberstellt.

Deutlich schlechtere Erträge als die Benchmarks kennzeichnen sehr viele Fonds, die von der AAM gemanagt werden. Doch Experten warnen davor, die Benchmark-Vergleiche überzubewerten. Bei den meisten Asset Managern sind sie für die interne Steuerung gedacht. Die zum Vergleich herangezogenen Benchmarks sind oft mit den Fonds nicht tatsächlich eins zu eins vergleichbar. Dazu kommt, so unternehmensnahe Kreis, dass die AAM im Bereich Rentenfonds deutlich über den Benchmarks gelegen und so die Renditeziele der meisten Versicherer erfüllt habe.

Unbestritten ist, dass die AAM sich bei der Performance der Aktienanlagen im letzten Jahr höchstens im Mittelfeld bewegt hat. Die Kritik der Konzern-Schwestergesellschaften trug dazu bei, dass die Allianz ein neues Risiko-Monitoring-System einführte. Dabei werden Aktien beobachtet, die eine besondere Kursentwicklung zeigen und bei denen die AAM so engagiert ist, dass sie ihre Positionen nicht schnell liquidieren kann. Das Monitoring wird parallel zu den Analysten aufgebaut.

Auch soll gerade bei Fällen wie Winstar, in denen die Papiere wertlos werden, künftig ein besonderes Berichtsverfahren gelten. Allerdings ist auch klar, dass die Asset Manager nicht jeden Kursverlust melden. Bei knapp 40 Mrd. Euro in Aktien machen schon kleine Kursschwankungen hohe Millionenbeträge aus.

Quelle: Financial Times Deutschland


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