Ergo verkauft Versicherungen an den Karstadt-Kassen

Weitreichende Kooperation vereinbart

Von Herbert Fromme, Neuss Wer bei Karstadt oder Sinn Leffers einkauft, bei Quelle nach Katalog bestellt oder ein Onlineportal der Karstadt Quelle AG nutzt, soll künftig auch Versicherungspolicen, Fondsprodukte oder eine Kreditkarte erstehen können. Karstadt Quelle und die Ergo-Versicherungsgruppe, die zur Münchener Rück gehört, haben eine weitreichende Zusammenarbeit vereinbart.

Als Teil des Deals hat Ergo die Quelle-Versicherungsgruppe vom Karstadt-Quelle-Großaktionär Schickedanz Vermögensverwaltung übernommen. Die Gruppe, die sich auf Menschen über 45 als Kunden spezialisiert hatte, ist seit einiger Zeit auf dem Markt. 2001 erzielte sie rund 550 Mio. Euro Prämieneinnahmen, vor allem aus der Lebensversicherung. Ergo zahlte „deutlich unter 250 Mio. Euro“ für die Übernahme und ebnete damit den Weg für die Kooperationsvereinbarung mit dem Handelskonzern.

„Es ging uns nicht darum, einen Versicherer zu kaufen, sondern alternative Vertriebskanäle zu gewinnen“, sagte Ergo-Chef Lothar Meyer. Seine Gruppe habe jetzt Zugang zu 19 Millionen aktiven Kunden des Partners. Ergo und Karstadt Quelle gründeten dafür das neue Gemeinschaftsunternehmen Karstadt Quelle Finanz Service (KQFS). Die Versicherungsgruppe hat 45 Prozent der gerade übernommenen Quelle-Versicherungen eingebracht, der Partner 100 Prozent der Karstadt Quelle Bank, die eine Bilanzsumme von 224 Mio. Euro aufweist. „Die KQFS wird die Schaltstelle und Zentrale des gesamten Finanzvertriebes über die Karstadt-Quelle-Gruppe“, sagte Ergo-Vorstand Michael Rosenberg.

Schon 2004 soll das neue Joint Venture 240 Mio. Euro Provisions-und Zinseinkünfte verzeichnen, 2006 einen Gewinn von 60 Mio. Euro. Karstadt-Quelle-Chef Wolfgang Urban will mit dem Verbund die starke Kundenbindung seiner Gruppe nutzen. „Allein bei Karstadt haben wir 6,3 Millionen Kundenkarten.“ Es gehe jetzt um eine Kombination von Cross-Selling und Zusatzdienstleistungen für die eigenen Kunden.

Ab Mai bietet KQFS eine MasterCard an. Es wird Versicherungspolicen in allen wichtigen Sparten geben, auch für die Riester-Rente. Wenn nötig, verkauft KQFS die Produkte anderer Ergo-Gesellschaften. Die Kooperation der Quelle-Versicherer mit Adig, der Fondsgesellschaft der Commerzbank wird auslaufen. Künftig werden MEAG-Fonds angeboten. In Kundenzentren der Kaufhäusern will KQFS Versicherungsspezialisten einsetzen. Die Quelle-Versicherung wird aber weiter als Direktversicherer arbeiten. Mit den bestehenden Vertrieben gebe es deshalb keine Probleme, so Meyer.

Bild(er):

Wolfgang Urban, Chef von Karstadt Quelle – Frank Darchinger

Das Kapital Seite 21.

Quelle: Financial Times Deutschland


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