Kölnische Rückversicherung lässt Dividende ausfallen

Von Herbert Fromme, Köln Wegen hoher Schäden aus dem World Trade Center und anderen Großereignissen erlitt die Kölnische Rückversicherung 2001 einen Verlust nach Steuern von 30 Mio. Euro. Das Unternehmen, das gemeinsam mit seinem Mehrheitseigner General Re als General Cologne Re auftritt, will die Dividende ausfallen lassen. Im Vorjahr hatte der Konzern einen zur Hälfte aus Steuereffekten stammenden Gewinn von 182 Mio. Euro ausgewiesen und eine Dividende von 90 Cent gezahlt.

Für 2002 gab sich der Vorstand optimistisch: Wegen der höheren Preise in der Rückversicherung werde die Kölnische Rück wieder an die guten Ergebnisse der Jahre bis 1998 anschließen können.

Hohe Erwartungen an ein deutlich verbessertes Jahr 2002 hat auch US-Investor Warren Buffett, der die General Re und damit die Kölnische Rück kontrolliert. Die Rückversicherung sei durch höhere Preise und Disziplin bei der Geschäftsannahme auf dem Weg, der ertragreichste Geschäftszweig der Buffett-Gruppe zu werden, sagte der 71-jährige Konzernchef am Wochenende vor 14 000 Aktionären. „Sie werden exzellente Gewinne unserer Versicherungsaktivitäten erleben.“

Das Unternehmen zeichne auch Terrordeckungen, allerdings mit klaren Höchstgrenzen, die seinen Bestand nicht gefährden. Buffett ist überzeugt, dass vielen Versicherern aus Terrorpolicen, die nicht so eng begrenzt sind, der Ruin droht. Es werde weitere Terroranschläge auf die USA geben, die möglicherweise mit biologischen oder nuklearen Waffen ausgeführt werden und den 11. September in den Schatten stellen. „Das wird kommen, in den nächsten zehn Minuten oder in den nächsten 50 Jahren“, sagte Buffett.

Der Terroranschlag in New York kostete die Kölnische Rück 341 Mio. Euro. Davon erstatten andere Rückversicherer 96 Mio. Euro, der Nettoschaden liegt bei 245 Mio. Euro und damit deutlich über der Schätzung von 195 Mio. Euro, die das Unternehmen im November veröffentlicht hatte. Zur Begründung teilte die Gruppe mit, sie habe auf Konstruktionen, die einen Teil der Schäden in die Zukunft verlagern, gänzlich verzichtet.

Auch andere Großschäden trafen die Kölnische Rück, darunter die Explosion einer Raffinerie in Toulouse, die Schäden aus dem Medikament Lipobay, die Explosion in einem britischen Stahlwerk, das Erdbeben in El Salvador sowie der Großbrand eines Einkaufszentrums in Südafrika.

Das laufende Ergebnis aus Kapitalanlagen blieb bei 368 Mio. Euro relativ stabil. Die realisierten Gewinne lagen mit 69 Mio. Euro unter dem Vorjahr. Darin enthalten ist der Ertrag aus der weitgehenden Auflösung des Immobilienbestandes – der Rückversicherer hält künftig nur noch Grundbesitz, den er selbst nutzt.

Quelle: Financial Times Deutschland


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