AWD und Gothaer verkaufen Renten

Von Herbert Fromme, Köln Eine ungewöhnliche Allianz in der betrieblichen Altersversorgung haben der Finanzvertrieb AWD, der Personalwesen-Dienstleister ADP Employer Services und vier Versicherer unter Führung der Gothaer geschlossen. Zum Konsortium gehören außerdem DBV-Winterthur, Volksfürsorge und R+V.

„Ein Kernproblem bei der betrieblichen Altersvorsorge ist der Verkauf an die einzelnen Mitarbeiter“, sagte ein Gothaer-Sprecher. Durch die Zusammenarbeit mit dem Vertrieb AWD werde genau diese Lücke geschlossen. AWD-Chef Carsten Maschmeyer ist an dem Geschäft trotz der untypisch niedrigen Provisionen interessiert, weil er sich lukrative Verkäufe von anderen Policen und Finanzprodukten verspricht.

Seit Anfang 2002 ist jeder Arbeitgeber verpflichtet, seinen Mitarbeitern eine betriebliche Altersvorsorge anzubieten, in die sie steuerfrei bis vier Prozent ihres Gehaltes einzahlen lassen können. Finanziell beteiligen muss sich der Arbeitgeber nicht. Die betriebliche Altersversorgung muss deshalb zweimal verkauft werden: Erst an die Unternehmen, die sich für einen Anbieter entscheiden müssen, dann an deren Mitarbeiter.

ADP Employer Services, eine Tochter des US-Konzerns Automatic Data Processing, ist als Partner für AWD und die Versicherer interessant, weil das Unternehmen im Personalwesen und der Lohnbuchhaltung eine starke Stellung hat. Jede fünfte Lohn-und Gehaltsabrechnung in Deutschland werde mit seinen Produkten erstellt, erklärte das Unternehmen.

„Viele Firmen werden ADP um Unterstützung bei der betrieblichen Altersvorsorge bitten“, hofft der Gothaer-Sprecher. Dann bietet ADP zusammen mit den Kooperationspartnern dem Kunden eine Lösung an – Pensionskasse, Pensionsfonds oder Direktversicherung. Die Gespräche mit den Unternehmen führen vor allem die Experten der Versicherer.

Ist dieser Vertrag erst einmal abgeschlossen, kommen die AWD-Vertreter ins Spiel. Sie sollen die einzelnen Mitarbeiter aufsuchen und ihnen den Abschluss der betrieblichen Altersversorgung (und nicht nur den) schmackhaft machen. Die innerbetriebliche Verwaltung – vor allem die entsprechenden Lohnabzüge – übernimmt ADP. Die Partner wollen das Projekt in einer mehrmonatigen Pilotphase mit einem ausgewählten Kundenkreis testen.

Die Gothaer hat einen Anteil von mehr als 50 Prozent an dem Konsortium. Sie verspricht sich von dem Projekt einen weiter verbesserten Marktauftritt in einem Kerngeschäftsfeld. Schon heute betreibt die Gruppe betriebliche Altersversorgungssysteme für rund 50 000 Arbeitnehmer. Im April erhielt sie die Genehmigung für eine Pensionskasse, ein Pensionsfonds ist beantragt.

Quelle: Financial Times Deutschland


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