Gerling-Krise wird immer dramatischer

Verlust nach Abschreibung bei Industrieversicherer GKA

Von Herbert Fromme, Köln Die Krise des Gerling-Konzerns hat sich erheblich verschärft – sowohl beim ohnehin schwer angeschlagenen Rückversicherer als auch beim Industrieversicherer Gerling-Konzern Allgemeine (GKA).

Die GKA verzeichnete für 2002 einen Verlust von 300 Mio. Euro. Zwar sei im eigentlichen Versicherungsgeschäft das Ergebnis ausgeglichen, erklärte gestern das Unternehmen in einem Schreiben an die Mitarbeiter. Aber der gestiegene Abschreibungsbedarf auf Aktien und die Abschreibung auf Forderungen gegenüber Rückversicherern von über 110 Mio.Euro verhagelten das Ergebnis.

Ein Verlust von 300 Mio. Euro ist in der gegenwärtigen Börsensituation nicht ungewöhnlich für einen Versicherer. Doch für den Gerling-Konzern kann er bedrohlich sein. Die Aktionäre Rolf Gerling und Deutsche Bank wollen kein frisches Geld einschießen, und die Verkaufsgespräche, die unter anderem mit dem HDI geführt werden, kommen kaum voran.

Konzernchef Björn Jansli, der in der vorletzten Woche Heinrich Focke ablöste, gab denn auch jüngst auf einem Mitarbeitertreffen Alarm: Wenn die Verhandlungen mit Interessenten nicht bald zu einem Abschluss kämen, könnte es auch bei der Gerling Allgemeinen zur Stilllegung ganzer Geschäftsfelder und deren Abwicklung kommen.

Die Rückversicherungstochter Gerling Globale Rückversicherungs-AG (GGR) ist bereits in der Abwicklung, jedenfalls für den größten Teil ihres Geschäfts. Aber auch das schützt nicht vor weiteren Problemen. Das Unternehmen musste den Verlust von mindestens der Hälfte des Grundkapitals von 337 Mio. EuroEuro anzeigen. Zwar bedeutet das nicht die unmittelbare Insolvenz, bringt den Konzern aber in eine sehr schwierige Lage: Eigentlich müsste er dringend Kapital bei der GGR einschießen – das er nicht hat.

Deshalb führt der Rückversicherer, der seit Oktober 2002 kein Neugeschäft mehr zeichnet und für den der Konzern zurzeit verzweifelt einen Käufer sucht, Verhandlungen mit der Finanzaufsicht BaFin. Sie soll erlauben, dass Schwankungsrückstellungen über rund 200 Mio.Euro aufgelöst werden. Sie sollen eigentlich Fluktuationen im Schadenverlauf zwischen den Jahren auffangen. Die GGR begründet den Schritt damit, dass sie ohnehin kein Neugeschäft mehr zeichne, sich die Schwankungsrückstellung aber am Neugeschäft orientiert. Außerdem erwarte man Gewinne aus der vorzeitigen Auflösung von Verträgen mit Rückversicherern.

Zum Schaden kommt bei Gerling der Spott von Konkurrenten. Warren Buffett, der die Rückversicherungsgruppen Berkshire Hathaway und General Cologne Re besitzt, erklärte in seinem Aktionärsbrief, ein Rückversicherer stehe kurz vor der Zahlungsunfähigkeit. Offenbar bezog sich Buffett auf die GGR. Das könne aber nicht sein, antwortete Gerling. „Denn die GGR kommt sämtlichen Zahlungsverpflichtungen nach und wird dies auch in Zukunft tun.“

Quelle: Financial Times Deutschland


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