Gerling hofft auf Rettung durch NCM-Deal

Deutsche Bank und Swiss Re zahlen sofort 180 Mio. Euro für Kreditversicherer “ Bank gibt Anteile am Konzern ab

Von Patrick Jenkins, Frankfurt, und Herbert Fromme, München Der angeschlagene Gerling-Konzern erhält von der Deutschen Bank und dem Rückversicherer Swiss Re insgesamt 180 Mio. Euro im Gegenzug für mehr als 90 Prozent an dem erfolgreichen Kreditversicherer Gerling NCM.

Nach Angaben aus Versicherungs-und Bankkreisen gibt die Deutsche Bank gleichzeitig ihren Anteil von 34,5 Prozent an der Holding Gerling Konzern Beteiligungs-AG (GKB) ohne einen Kaufpreis auf. Damit hält Rolf Gerling, dessen Großvater das Unternehmen gründete, 100 Prozent an dem Versicherungskonzern. Die Bank gab in der vergangenen Woche bekannt, dass sie die restlichen Anteile von 500 Mio. Euro auf ihren Anteil an Gerling vollständig abgeschrieben habe. Die Einzelheiten wollen die drei Parteien heute oder Freitag bekannt geben.

Nach Angaben aus Bankenkreisen zahlt die Deutsche Bank 120 Mio. Euro für einen Anteil von 45 bis 50 Prozent an Gerling NCM. Da der Kreditversicherer einen Wert von mehr als 600 Mio. Euro hat, bedeutet das einen erheblichen Abschlag. Allerdings sieht die Vereinbarung eine weitere, kleinere Zahlung an Gerling zu einem späteren Zeitpunkt vor.

Swiss Re zahlt 60 Mio. Euro bar und hält dann einen ähnlich hohen Anteil. Das Unternehmen besitzt bereits 25 Prozent an Gerling NCM, das 2001 aus der Fusion von Gerling Kredit und der niederländischen Swiss-Re-Tochter NCM entstand.

Der Deal könnte den Knoten, der seit Monaten jeden Fortschritt für Gerling blockiert, zerschlagen, hoffen die Gerling-Manager. Der Gerling-Konzern hat mit den 180 Mio. Euro endlich Geld, das er für die Stärkung des angeschlagenen Rückversicherers Gerling Globale Rück verwenden will. Dessen wichtigster Geschäftszweig Schaden-und Unfallrückversicherung wird gerade abgewickelt. Das Aktienkapital ist bisher nicht voll eingezahlt, 119 Mio. Euro fehlen noch. Das will die Holding jetzt nachholen.

Mit dieser Stärkung, hofft der Konzernvorstand um Björn Jansli, wird der umstrittene Verkauf des Rückversicherers an den früheren Manager Achim Kann doch noch Realität. Kann wollte die GGR, die einen Umsatz von 5,8 Mrd. Euro hat, mit zwei Minifirmen mit je 25 000 Euro Kapital übernehmen. Das hat die Finanzaufsicht BaFin verboten. Jetzt stehen die beiden Seiten in der Sache vor Gericht.

Gerling hat in der ersten Instanz gewonnen. Selbst wenn der Versicherer auch weiterhin vor Gericht Recht behält, ist der Kann-Deal keineswegs in trockenen Tüchern: Auch die Versicherungsaufseher in den USA und in Großbritannien müssen zustimmen. Denn von dort stammt ein großer Teil des GGR-Geschäfts, das jetzt abgewickelt wird, dort liegen auch die entsprechenden Schadenreserven. Mit den frischen 119 Mio. Euro bei der GGR, so das Kalkül, fiele den Aufsehern in New York und London die Zustimmung leichter.

Wenn der Rückversicherer erst einmal aus dem Weg ist und die Konzernbilanz nicht mehr belastet, besteht Hoffnung für die beiden Kerngesellschaften der Gerling-Gruppe, glauben die Gerling-Chefs – vor allem, weil die Deutsche Bank nicht mehr an dem Konzern beteiligt ist. Sie versucht seit Jahren, ihre Anteile zu Bargeld zu machen, und musste jetzt aufgeben. Unter diesen Umständen könnte leichter ein Geldgeber für den Industrieversicherer Gerling Allgemeine und die Gerling Leben gefunden werden, das geschäftsschädigende „BB+“-Rating würde der Vergangenheit angehören – so die Erwartungen. Viel Zeit für die Umsetzung in die Realität hat Jansli nicht: Wenn in den nächsten Wochen keine umfassende Lösung gefunden wird, spielt Gerling in den Vertragsverhandlungen für 2004 keine Rolle.

Quelle: Financial Times Deutschland


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