Gerling-Konzern ebnet Weg für Rettung

Verkaufsvertrag über Kreditversicherer NCM unterschrieben “ Deutsche Bank steigt komplett aus

Von Herbert Fromme, Köln Der Versicherungskonzern Gerling hat zwei große Hindernisse auf dem Weg zu seiner Sanierung beiseite geräumt. Gestern unterzeichneten Vertreter von Deutscher Bank, Swiss Re, Sal. Oppenheim und Gerling den Vertrag über den Verkauf des erfolgreichen Kreditversicherers Gerling NCM. Das bringt dringend benötigtes Geld in die Kasse.

Außerdem scheidet die Deutsche Bank, die bisher 34,6 Prozent hielt, als Aktionär beim Konzern aus. Künftig besitzt Rolf Gerling 94 Prozent, der Aufsichtsratschef Joachim Theye sechs Prozent. „Theyes Beteiligung hat steuerliche und juristische Gründe“, sagte Konzernchef Björn Jansli vor Journalisten. Ob Geld für die Anteile floss, wollte er nicht sagen. Die neue Aktionärsstruktur mache die Suche nach einem Käufer für Gerling leichter, so Jansli. „Die Märkte hatten keinen Appetit auf ein so komplexes Gebilde.“

Beim NCM-Verkauf hat Gerling nach FTD-Informationen aber einen Vorbehalt vereinbart: Er darf noch eine Woche nach einem besseren Angebot suchen. Der Konzern verhandelt mit anderen Banken sowie Versicherungsgruppen, ist bei Gerling zu hören. „Wer Gerling NCM mit deutlich mehr als den 655 Mio. Euro bewertet, die dem Deal vom Mittwoch zugrunde liegen, bekommt den Zuschlag“, heißt es.

Der Vertrag mit Deutscher Bank und Swiss Re wird also erst in einer Woche wirksam. Dann gibt Gerling seine Mehrheit von 56 Prozent auf und hält nur noch drei Prozent. Swiss Re – bisher 25 Prozent – hat dann mit 48 Prozent die unternehmerische Führung. Die Deutsche Bank hält 35 Prozent, Oppenheim sieben Prozent und der Gerling NCM Pension Trust knapp über sieben Prozent.

Für die NCM-Mehrheit bekommt Gerling 180 Mio. Euro in bar – 120 Mio. Euro von der Deutschen Bank und 60 Mio. Euro von Swiss Re. Außerdem werden alte Ansprüche der Schweizer aus dem Jahr 2001, als Gerling Kredit und NCM fusionierten, getilgt.

Der Konzern wird mit 119 Mio. Euro das Eigenkapital der Not leidenden Tochter Gerling Globale Rück stärken. „Damit ist der Liquiditätsplan für die Abwicklung der Rück jetzt stabil“, sagte Jansli. Die Loslösung des Rückversicherers aus dem Konzern über den geplanten Verkauf an den Manager Achim Kann sei damit gesichert, auch wenn die Finanzaufsicht BaFin gegen Kann ist. „Wir sind sicher, in dem Rechtsstreit mit der BaFin auch die zweite Instanz zu gewinnen.“ Die Versicherungsaufseher in New York und London hätten bereits Zustimmung signalisiert, wenn die Liquidität stimmt.

Erst wenn der Rückversicherer aus der Bilanz verschwunden ist, habe Gerling Chancen, einen starken Partner zu finden, sagte Jansli. Der könnte die Mehrheit oder alles übernehmen. „Wir verhandeln bereits mit mehreren Seiten.“ Dazu gehörten strategische Partner, also Versicherer, und Private-Equity-Investoren.

Dabei geht es nur noch um den Konzernkern: den Industrieversicherer Gerling Allgemeine und die Gerling Leben, beide mit ausgezeichnetem Ruf und loyaler Kundschaft. Jansli sagte, eine Trennung komme nicht in Frage. Das könnten mögliche Käufer anders sehen, die bei Interesse an der Gerling Allgemeinen Anstoß an den hohen stillen Lasten der Gerling Leben nehmen können – von netto 400 Mio. Euro ist die Rede.

Viel Zeit hat Jansli trotz des gestrigen Erfolgs nicht. Er muss das Rück-Problem schnell lösen, damit die Rating-Agenturen die katastrophale Bewertung der Gerling-Töchter verbessern. Nur dann kann er hoffen, dass Großindustrie und Makler im Herbst nennenswertes Geschäft für 2004 zu Gerling tragen. Und erst wenn die Finanzkraft eines Investors zur Verfügung steht, kann die Gruppe wirklich aufatmen.

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Im Angebot: Nach dem Ende des Eigentümerstreits kann sich Rolf Gerling nun einen Mehrheitseigner für den Kernbereich des Konzerns suchen. Es gibt aber noch Hürden. – FTD-Montage; Darching; Gerling.

Quelle: Financial Times Deutschland


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