Standard & Poor’s stuft Mannheimer Leben herab

Rating des angeschlagenen Versicherers jetzt bei „CCC“

Von Herbert Fromme, Köln Die Rating-Agentur Standard & Poor’s (S&P) hat das Rating der Mannheimer Lebensversicherung von „B“ auf „CCC“ herabgesetzt. Damit beurteilt S&P die finanzielle Stabilität der Mannheimer Leben jetzt statt mit „schwach“ mit „sehr schwach“. Die Bewertung des Schwesterunternehmens Mannheimer Versicherung beließ S&P unverändert auf „BB“ („marginal“).

Die Herabstufung durch die führende Rating-Agentur verschärft die Krise der Mannheimer weiter. Das Management der Gruppe hat sich an den Aktienmärkten verspekuliert. Jetzt klafft ein Loch von mehr als 200 Mio. Euro in der Bilanz. Die Lebensversicherungstochter, die in erster Linie betroffen ist, musste das Neugeschäft in der Kapitallebensversicherung einstellen. Bedeutende institutionelle Kunden haben ihre Verträge bei der Mannheimer bereits gekündigt. Dieser Trend dürfte sich jetzt weiter beschleunigen.

Eine Arbeitsgruppe des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) versucht zurzeit, eine Branchenlösung für die angeschlagene Gruppe zu finden. Dabei geht sie von einem Geldbedarf von mehr als 250 Mio.Euro aus, der durch eine Kombination von Kapitalzufuhr und Rückversicherungsmaßnahmen gedeckt werden soll. Bisher gibt es dafür aber nicht genügend feste Zusagen aus der Assekuranz.

Größter Aktionär ist die österreichische Uniqa mit 13 Prozent, gefolgt von der Münchener Rück mit zehn Prozent. Sechs weitere Versicherer und Rückversicherer halten jeweils unter fünf Prozent.

Die Branche ist uneins – einige wollen die Mannheimer retten, um die politischen Aussichten der Assekuranz bei der Privatisierung der Altersvorsorge nicht zu gefährden, andere warnen vor einem Präzedenzfall und befürchten Probleme mit den eigenen Aktionären.

Gleichzeitig verhandelt die GDV-Arbeitsgruppe mit der Finanzaufsicht BaFin, die eine schnelle Lösung wünscht. Sonst muss sie einen Beauftragten entsenden, der die Geschäfte des Vorstands der Mannheimer übernimmt und die mögliche Übertragung der Kundenverträge an die Auffanggesellschaft Protektor vorbereitet.

Quelle: Financial Times Deutschland


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