Uniqa sieht Gewinnchancen im Osten

Österreichischer Versicherer bietet für Prager Gesellschaft · Interview mit Vorstandschef Konstantin Klien

Von Herbert Fromme, Salzburg Während sich Axa, Winterthur oder Zürich schon wieder aus Osteuropa verabschieden, hat die österreichische Uniqa-Gruppe große Pläne. Sie will von Polen bis Kroatien in allen EU-Beitrittsländern relativ rasch Marktanteile von jeweils drei bis fünf Prozent erzielen – und damit Geld verdienen. In den meisten Märkten ist sie schon vertreten. Zurzeit bietet Uniqa-Chef Konstantin Klien für den Schaden-und Unfallversicherer der tschechischen Pojistovna Ceske Spritelny, die der Ersten Bank in Wien gehört. Die Entscheidung soll im September fallen. Neben der Uniqa sind auch Wiener Städtische, Generali und Allianz interessiert. In Tschechien hat die Uniqa bisher nur zwei Prozent Marktanteil. „Da haben wir Anfang der 90er zu wenig investiert“, bedauert er.

Klien glaubt, das Erfolgsrezept für die komplizierten und oft kleinen osteuropäischen Märkte gefunden zu haben. „Wir arbeiten mit einer einheitlichen Firmenkultur für alle Länder, nur einer Marke, einer einheitlichen IT-Struktur, derselben Produktarchitektur im Breitengeschäft und einer einheitlichen Ausbildung der Führungskräfte“, sagte Klien im Interview mit der FTD. So beruhe die Hausrat-und Gebäudeversicherung der Uniqa in allen Zielmärkten auf demselben Basisprodukt, das jeweils um nationale Besonderheiten ergänzt werde.

„Schon der Kunstname Uniqa wurde so geschaffen, dass er in allen diesen Ländern als Marke verwendet werden kann“, sagte Klien. Die Gruppe entstand 1999 aus der Fusion der Versicherungskonzerne Austria Collegialität und Bundesländer. Damals lag der Auslandsanteil bei 4,2 Prozent der Prämieneinnahmen – jetzt sind es 15 Prozent. „Das wollten wir eigentlich erst 2005 erreichen, jetzt streben wir mittelfristig 20 Prozent an.“

Jüngste Schritte waren die Übernahme der Axa-Töchter in Österreich und Ungarn sowie der R+V-Konzernunternehmen Filar in Polen und R+V in der Slowakei. Die deutsche R+V-Versicherungsgruppe gab diese beiden Unternehmen im Gegenzug für Uniqa-Aktien ab und hält jetzt 2,8 Prozent bei der Wiener Gruppe. Wie die R+V hat die Uniqa enge Verbindungen zum genossenschaftlichen Lager und kooperiert eng mit der Raiffeisen-Bank.

Hauptaktionäre sind die Raiffeisen-Organisation und der Versicherungsverein Austria. Der Free Float beläuft sich auf 18 Prozent.

Unterstützung für die Osteuropa-Expansion holte sich Klien bei der Europäischen Entwicklungsbank European Bank for Reconstruction and Development (EBRD). Sie wird sich innerhalb der nächsten Jahre mit bis zu 70 Mio. Euro an Uniqa-Töchtern in Osteuropa beteiligen. Schon jetzt hält sie Anteile an Konzerntöchtern in Tschechien (17 Prozent) und Kroatien (20 Prozent), für die sie insgesamt 18 Mio. Euro investierte. Die EBRD investiert auch bei anderen Versicherern in Osteuropa, aber die Uniqa ist jetzt in der Region ihr wichtigster Partner.

In Italien ist Klien mit zwei kleinen Gesellschaften aktiv, nach Deutschland will er aber nicht gehen. Der Markt sei gesättigt, schon der Aufbau eines Marktanteils von einem Prozent in Deutschland sei zu teuer. Noch vor kurzem hat er noch mit der Idee geflirtet: Immerhin hält die Uniqa 13 Prozent an der Mannheimer. Klien bestätigte, dass es Verhandlungen über eine mögliche Übernahme der angeschlagenen Mannheimer gegeben habe. „Wir haben uns dagegen entschieden. Der Makleranteil am Vertrieb ist sehr hoch. Wenn es vor allem Vertreter gewesen wären, die dann möglicherweise auch in Süddeutschland konzentriert gewesen wären, dann hätte die Sache anders ausgesehen.“ Außerdem fahre die Mannheimer eine Mehrmarkenstrategie, die Uniqa arbeite nur mit einer Marke. Die Aktien der Mannheimer hat die Uniqa auf den Marktwert abgeschrieben. Die genauen Verluste will Klien nicht nennen. „Sie liegen im zweistelligen Millionenbereich. Wir werden trotzdem 2003 ein ordentliches Ergebnis vorlegen.“

Das wird auch davon abhängen, wie die Integration der gerade übernommenen Gesellschaften funktioniert, vor allem der Axa in Österreich. Klien, der früher Chef der Axa in Wien war, ist zuversichtlich. „Wir können Fusionen gut.“ In der Krankenversicherung ist die Uniqa mit 50 Prozent Marktführer in Österreich, ebenso mit 22 Prozent (ohne Einmalgeschäft) der Lebensversicherung. In den Schaden-und Unfallsparten liegt sie mit 17 Prozent auf Platz drei. Durch die Übernahmen kann die Gruppe im Heimatmarkt ein stolzes Wachstum von 28 Prozent im ersten Halbjahr aufweisen, bereinigt um diesen Faktor lag es bei 5,4 Prozent. Für 2003 erwartet Klien Beitragseinnahmen von mehr als 3,2 Mrd. Euro.

Zitat:

„Schon ein Marktanteil von einem Prozent in Deutschland ist zu teuer“ – Uniqa-Chef Klien

Bild(er):

Konstantin Klien ist seit Anfang 2002 Chef der Uniqa – Daniel Samanns.

Quelle: Financial Times Deutschland


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